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Warum Holland nicht Weltmeister wird

1 Jul

Schießt er die Niederlande zum ersten WM-Triumph: Arjen Robben. Foto: fifa.com

Schießt er die Niederlande zum ersten WM-Triumph: Arjen Robben. Quelle: fifa.com

Vorab eine Warnung: Die folgenden Zeilen stammen von einem notorischen Außenseiter-Tipper. Von jemandem, der sich kaum erinnern kann, wann zuletzt eine seiner sehr lässigen (weil unwahrscheinlichen) Prophezeiungen kommender Ereignisse im Weltfußball tatsächlich eingetreten ist. Diese notorische Erfolglosigkeit hat sogar so weit geführt, dass der Autor vor sich selbst kapitulieren und Einladungen zu WM-Tippspielen dankend ablehnen musste. Denn eine Teilnahme hätte ganz offensichtlich dasselbe bewirkt, wie ein Feuerzeug an einen Zehn-Euro-Schein zu halten – und dabei weniger Spaß gemacht.

Daher kann ein Außenstehender auch mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Niederlande auch 2010 wieder keinen Weltmeister-Titel holen. Dabei spricht diesmal aber wirklich im Vergleich zu anderen Teams Vieles für das Clockwork Orange. Oranje ist erfahrener als die deutsche Elf und in der Offensive flexibler als die Spanier. Die „Elftal“ hat eine bessere Abwehr als die Argentinier und wirkt am Ende sogar inspirierter als die Brasilianer. Dass selbst der herbeigeredete team-interne Zoff halb so wild ist, belegt Dirk Kuijt: Von anderen Teamkollegen offenbar angestänkert, bringt der Liverpool-Profi weiter seelenruhig seine Leistung.

Während jeder andere Trainer wegen Verletzungen Sorgenfalten bekommt, so könnte die Blessur, die sich Arjen Robben kurz vor Turnierbeginn zugezogen hat, zur Trumpf-Karte von Coach Bert van Marwijk werden: Denn Hollands Problem war häufig – man denke etwa an die EM 2008 – eine zu frühe Topform. Beim Europa-Gipfel in den Alpen galt das Team von der Nordseeküste als sicherer Sieger – schließlich hatte man Frankreich und Italien in der Gruppenphase beeindruckend weggefegt. Gleich im ersten K.o.-Spiel ging den Holländern dann aber die Luft aus. Und gerade dieses Burnout-Syndrom verhindert die langsame Comeback des Arjen Robben. Denn Robben kam mit Verspätung ins Turnier hinein. Der erste Kurzeinsatz im dritten Gruppenspiel und direkt eine Torbeteiligung. Der erste Startelf-Auftritt bei dieser WM im Achtelfinale, gekrönt von einem unnachahmlichen Robben-Tor. Der Bayern-Star hat sich nahtlos in die Elftal eingefügt, gibt ihr mehr Optionen im Angriffsspiel. Im Achtelfinale hat man aber auch noch deutlich Steigerungspotenzial beim Einzelspieler und der Truppe als Ganzes gesehen. Und dadurch, dass Robben seinen Rechner in Ruhe wieder auf Top-Leistung hochfährt, verhindert er einen zu frühen System-Absturz des Kollektivs. Die Oranje-Elf wird durch seine Rückkehr immer gefährlicher und weniger berechenbar. Im Idealfall erreichen Robben & Co. im Finale ihre Topform…

Finale? Naja, jetzt wohl nicht mehr. Da ich mich auf die Niederlande als Titelfavoriten festgelegt habe, machen die Brasilianer vermutlich in gut 16 Stunden kurzen Prozess und beenden den Traum von der Revolution der in orange. Sorry, ihr Holländer. Ich hätt’s euch wirklich gegönnt.

Auf dem Weg zum Titel?

28 Jun

Die junge DFB-Elf auf dem Weg zum Titelgewinn? (Bild:Abendblatt.de)

Die junge DFB-Elf auf dem Weg zum Titelgewinn? (Bild:Abendblatt.de)

Jogis Jungs haben die erste große Hürde auf dem Weg zum Weltpokal genommen. Zugegebenerweise waren die Engländer in diesem legendären Achtelfinale von Bloemfontein nicht wirklich das Team, was man erwartet hatte, doch mit einem 4:1-Sieg haben nur die gutgestimmten Optimisten gerechnet. Zwar kann niemand sagen, ob das Spiel eine andere Wendung genommen hätte, wäre Frank Lampards regulärer Treffer als das 2:2 gewertet worden, aber es wäre zu vermuten gewesen, dass Deutschland trotzdem eine Runde weitergekommen wäre – zur Not im Elfmeterschießen.

Hört man sich unter den Spielbeobachtern um, so ist bei den meisten Ungläubigkeit zu vernehmen. Wann hat eine deutsche Mannschaft gewonnen und dabei so gut gespielt? Für die meisten passt das nicht zusammen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Deutschland seinen Kredit bei den Fans zurückgewonnen hat. Es wird nun nicht nur gewonnen, sondern zudem auch noch moderner Offensivfußball gespielt.

Die Euphoriewelle ist also wieder ausgelöst, so wie 2006 in Deutschland, als man im Achtelfinale die Schweden niederkämpfte und im Viertelfinale auf die Argentinier traf. Bei dieser WM sind die Vorzeichen ähnlich. Auch dieses Mal wird man in der Runde der letzten Acht auf Maradonnas Gauchos treffen (Samstag, 16 Uhr, Kapstadt).

Das deutsche Team braucht sich zur Zeit aber vor niemandem zu fürchten, denn man verbreitet nun selbst Angst und Schrecken. Mesut Özil ist in der Form seines Lebens – er trifft selbst und bereitet zu dem auch noch vor. Thomas Müller ist auf dem besten Wege die Auszeichnung für den talentiertesten Jungspieler  des Turniers zu erhalten und Lukas Podolski sowie Miroslav Klose sind pünktlich zur WM, zumindest fast, wieder die Alten – jedenfalls treffen sie wieder und das ist das Wichtige.

Im Mittelfeld gibt Bastian Schweinsteiger mit seiner ruhigen Linie den Takt vor und mit Phillip Lahm hat die deutsche Elf einen zwar zurückhaltenden aber trotzdem kämpferisch vorbildlichen Spielführer. Im Nachhinein kann man sich bei Kevin Prince Boateng bedanken, dass er für das Fernbleiben von Michael Ballack gesorgt hat. Alle Mannschaftsteile nehmen nicht nur mehr Verantwortung auf sich, sondern es werden auch neue Stars geboren. Einer davon ist Sami Khedira. Zwar spielt der Stuttgarter eher unauffällig, dafür aber effektiv. Er ist der Garant dafür, dass Schweini sich problemlos in die Offensive einschalten kann.

Viele Kritiker werden sich in diesen Tagen darum bemühen auf die Euphriebremse zu drücken. Noch ist nichts erreicht, doch eines kann man trotzdem sagen: Deutschland hat das Zeug zum Weltmeister! Welche andere Mannschaft konnte bisher so überzeugen wie die DFB-Elf?

An dieser Stelle ist aber Vorsicht geboten. Als die Niederländer beispielsweise bei der WM 2008 schon als sicherer Europameister gefeiert wurden, weil sie sowohl Italien als auch Frankreich in der Gruppenphase demütigten, folgte im Viertelfinale die bittere Niederlage gegen die Russen.

Manuel Neuer und Co. sind also gewarnt. Doch vermutlich gibt es in diesem Team niemanden, der die Situation nicht einschätzen kann. Ein Abheben ist ausgeschlossen, dafür wird Joachim Löw schon sorgen. Sollte am Samstag gegen Argentinien jedoch schon Schluss sein, so ist das kein Beinbruch. Dieser jungen deutschen Mannschaft steht eine große Zeit bevor!

Italiens „Lippibekenntnisse“

26 Jun

Nimmt alle Schuld auf sich: Marcello Lippi (Quelle:telegraph.uk)

Nimmt alle Schuld auf sich: Marcello Lippi (Quelle:telegraph.uk)

 

„Ich nehme die gesamte Schuld auf mich. Wenn sich eine Mannschaft zu so einem wichtigen Ereignis mit Angst in den Beinen, im Kopf und im Herzen präsentiert, bedeutet das, dass der Trainer sie nicht gut genug vorbereitet hat…“ (Marcello Lippi, Johannesburg, 24. Juni 2010)  

Fatale zweite Amtszeit 

Hätte er doch bloß nach der WM 2006 in Deutschland seine Trainerkarriere beendet. Marcello Lippi, nun nicht mehr italienischer Nationaltrainer, wäre der großen Schmach von Südafrika aus dem Weg gegangen und ganz Italien hätte ihn als den Weltmeistertrainer in Erinnerung behalten. Doch der Mann aus der Toskana lies sich zu einer zweiten Amtszeit als Trainer der Squadra Azzurra überreden und machte damit alles falsch. 

Tabellenletzter in Gruppe F, noch hinter den Fußballzwergen Slowakei und Neuseeland – welch eine Schmach! Im letzten Spiel wollte man noch alles richten, so wie Deutschland, oder die Spanier es taten, doch am Ende reichte es noch nicht einmal zu einem Unentschieden gegen die Slowakei. Gerade einmal zehn Minuten zeigten die Azzurri zu was sie in der Lage sind, doch da war schon alles zu spät und zudem wäre der Einzug ins Achtelfinale zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr verdient gewesen, hätte Quagliarellas Milimeter-Abseitstreffer gegolten. 

Keine Führungsspieler 

Lippis bis zum Jahre 2010 noch weiße Weste ist nun beschmutzt. Viel Kritik kam von den italienischen Medien schon nach den Spielen gegen Paraguay (1:1) und Neuseeland (1:1). Nur zwei Punkte aus zwei Spielen – das war für einen Weltmeister zu wenig. Die Ansprüche in Italien waren zu groß und auch die Kritik an Trainer Marcello Lippi wurde größer. Man sprach zuvor noch von Titelverteidigung, wo man doch außer Acht ließ, dass sich in den Reihen der Italiener vielleicht nur zwei oder drei Spieler von Weltniveau befanden. Einer davon, Torwart Gianluigi Buffon, musste sogar das Unternehmen Titelverteidigung wegen Verdachts auf Bandscheibenvorfall frühzeitig abbrechen. 

Dessen Ersatzmann Marchetti konnte zu keinem Zeitpunkt in die großen Fußstapfen des Welttorhüters Buffon treten. Es fehlte an Präsenz, Selbstbewusstsein und vor allem an einem: Aura. 

Pirlo kam zu spät 

Mit Andrea Pirlo fiel in den ersten beiden Gruppenspielen ein weiterer Eckpfeiler des Teams aus. Ein Mann mit Ausstrahlung, ein Stabilisator im Mittelfeld war nicht vorhanden. Pirlo konnte zu keiner Zeit ersetzt werden. Weder durch Montolivo, noch durch de Rossi, die beiden auf ihren Positionen überfordert wirkten. Montolivo war wenigstens noch in der Lage aus der Distanz für Gefahr zu sorgen. Und als Andrea Pirlo dann doch noch spielte, machte Italien seine besten 45 Minuten dieser WM. 

Andere so genannte Führungsspieler waren nicht vorhanden. Kapitän Fabio Cannavaro könnte man mit der Metapher des Lichts und des Schattens wohl am besten charakterisieren. Mal Weltklasse, aber zu oft nur Kreisklasse. Ebenso Gianluca Zambrotta, der auf seiner Außenbahn mehr wie ein Auslaufmodell, als ein Weltmeister wirkte. 

Sturmproblem 

Und der Sturm? Lippi versuchte alles und stellte in drei Spielen drei Mal um. Erst ein spielte er mit einem 4-5-1 (Sturm: Gilardino), dann mit einem 4-4-2 (Sturm: Gilardino, Iaquinta), bevor er im letzten Spiel in einem offensiven und für Italien eher untypischen 4-3-3 gleich drei Stürmer aufbot (Sturm: Iaquinta, di Natale, Pepe). Am Ende nützte alles nichts und Marcello Lippi nahm die Schuld in seinem Lippenbekenntnis, oder besser, seinem „Lippibekenntnis“ gänzlich auf sich. 

Medien zerreißen Trainer und Mannschaft 

Nun entläd sich in Italien ein Sturm des Zorns über Lippi, über dem Mann, der vor vier Jahren noch auf Schultern getragen mit dem Weltpokal in den Armen ins Forum Maximum auflief. Muss sich ein Trainer sowas gefallen lassen? Hat Lippi wirklich seine Kompetenzen als Trainer verloren oder muss er sich einfach nur ankreiden lassen auf zu wenig neue Kräfte gebaut zu haben? 

Marcello Lippi, mittlerweile 62 Jahre alt, hat in seiner langen Trainerkarriere alles gewonnen, was ein Trainer gewinnen kann. Der Mann aus der Toskana ist sogar der einzige Fußballlehrer, dem es gelang die Champions League (1996 mit Juventus Turin) und den Weltmeistertitel (2006 mit Italien) zu gewinnen. An Kompetenz wird es ihm also nicht fehlen. 

Es sind die Spieler die versagt haben! Und Marcello Lippi? Er hätte nach der WM 2006 seine Karriere beenden sollen, dann wären uns auch die „Lippibekenntnisse“ erspart geblieben.

„Black Stars“ – ein Team ganz ohne Sternchen

22 Jun

Mannschaftliche Geschlossenheit ist die große Stärke der ghanaischen Nationalmannschaft, hier 2006 bei der WM in Deutschland. Foto: Peter Herrlich

In Afrika hat sich die ghanaische Nationalmannschaft als „Black Stars“ einen Namen gemacht. Fußball-Stars hat das westafrikanische Land schon zahlreich hervorgebracht. Abedi Pele (Jahrgang 1965, u.a. 1860 München), Anthony Baffoe (Jahrgang 1965, u.a. Fortuna Düsseldorf), Anthony Yeboah (vermutlich Jahrgang 1966, u.a. Eintracht Frankfurt, Leeds United) waren die ersten international bekannten Ballkünstler aus dem seit 1957 unabhängigen Land mit heute 24 Millionen Einwohnern. Alle drei genannten standen übrigens beim bisher einzigen Länderspiel der Ghanaer gegen die deutsche Nationalelf auf dem Platz, das Ergebnis im Bochumer Ruhrstadion lautete im April 1993 6:1 (0:1) für Deutschland.

In jüngerer Vergangenheit ragen Stephen Appiah (Jahrgang 1980, früher u.a. Juventus Turin), Sulley Ali Muntari (Jahrgang 1984), Ergänzungsspieler und Enfant terrible vom Champions-League-Sieger Inter Mailand, und Michael Essien (Jahrgang 1982, aktuell FC Chelsea) hervor. Durch Verletzungen und Blessuren aus dem Tritt gebracht, spielt dieses Trio entweder kaum oder gar keine Rolle bei der Weltmeisterschaft bei der ersten Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent  (Appiah, Essien) oder fällt bisher nur mit Eskapaden am Rande auf (Muntari).

Mannschaftliche Geschlossenheit

2010 kommen die „Black Stars“ nun also ganz ohne Fünf-Sterne-Deluxe-Spieler daher. Damit steht Nationaltrainer Milovan Rajevac sicher weniger individuelle Klasse zur Verfügung als anderen Nationalcoaches. Andererseits ist die gute Organisation und die mannschaftliche Geschlossenheit charakteristisch für dieses ghanaische Nationalteam, das es sogar schaffte, „Bad Boy“ Kevin-Prince Boateng innerhalb weniger Tage zu integrieren. Der einzige, der neben Boateng beim laufenden Turnier sportlich aus dem ghanaischen Kollektiv heraussticht, ist Asamoah Gyan. Gyan ist unbestritten der beste Stürmer im Kader der Ghanaer und mit zwei (Elfmeter-)Toren 2010 der einzige WM-Torschütze seines Teams.

Ein Mann, der Fußballgeschichte schrieb

Ghanas Torgarant: Asamoah Gyan. Quelle: faz.net

Ghanas Torgarant: Asamoah Gyan. Quelle: faz.net

Der 24-Jährige hat für sein Heimatland bereits Fußball-Geschichte geschrieben. Bei der WM 2006 in Deutschland war es Gyan, der mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze Tschechiens Torwart Petr Cech überwand und damit das erste Tor Ghanas bei einer Weltmeisterschaft überhaupt erzielte. Den großen internationalen Durchbruch schaffte Gyan bisher nicht. 2008 ging Gyan von Udinese Calcio zu Stade Rennes, wo er 2009/2010 in 29 Liga-Spielen 13 Treffer erzielte. Möglicherweise schafft er ja nach der WM 2010 endlich den Sprung auf die Insel in die Premier League, wo schon einige Nationalmannschaftskollegen kicken.

Asamoah Gyan ist als flinker Dribbler unter den Stürmern bekannt, mit einem ordentliche Tor-Abschluss. Dagegen fehlt dem nicht gerade bullig  wirkenden Ghanaer die körperliche Robustheit. Das Duell mit der deutschen Innenverteidigung wird daher beim letzten Gruppenspiel der WM-Gruppe D (Mittwoch, 23.06.10, 20.30 Uhr, in Johannesburg) spannend zu beobachten sein. Und trotz der immer noch etwas albernen Jubeltänze: Der Ghanaer mit der für einen Stürmer ungewöhnlichen Rückennumer 3 wirkt 2010 im Vergleich zu 2006 gereift und gefestigt. Dass er seine beiden Elfmeter-Treffer im Turnier 2010 so ausnehmend cool vom Punkt verwandelte, hat sicher auch mit einer schlechten Erfahrung von vor vier Jahren zu tun: Im besagten Spiel gegen Tschechien verschoss Gyan einen Strafstoß und verpasste es damit nicht nur, den ersten Sieg Ghanas bei einer WM vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen: Den Elfmeter hatte er nämlich zu allem Überfluss in einem ersten ungestümen Versuch zu früh ausgeführt und dafür die Gelbe Karte gesehen, die dann eine Sperre nach sich zog. Danach war Gyan für Tage untröstlich, lief als bedröppelter Held durchs Team-Camp der Ghanaer in Würzburg. Die Achtelfinal-Qualifikation schafften die Teamkollegen danach auch ohne Gyan, ehe dieser beim 0:3 in der K.o.-Runde gegen Brasilien ebenso machtlos war wie seine Nebenleute. In Südafrika tritt das Team nun eine Portion erfahrener auf und fühlt nicht erst nach dem mäßigen Abschneiden anderer Länder vom „schwarzen Kontinent“ die Sympathie ganz Afrikas im Rücken. Asamoah Gyan selbst sagte nach dem 1:0-Auftaktsieg Ghanas über Serbien in Pretoria, jeder Afrikaner stehe hinter den „Black Stars“.

„Yes, We Gyan!“

Nachdem der 24-Jährige im vergangenen November vorübergehend aus dem Kader des Nationalteams geworfen worden war, weil er zusammen mit anderen ohne Angabe von Gründen ein Testspiel geschwänzt hatte, ist Asamoah Gyan als WM-Rekordtorschütze seines Landes (ingesamt 3 Tore) in der Heimat derzeit Everybody’s Darling. In Anlehnung an Barack Obamas Wahlspruch „Yes, we can“ lautet der Schlachtruf auf den Straßen von Accra nun: „Yes, We Gyan!“ Ob das auch für den Achtelfinal-Einzug gilt?

Public Viewing in Deutschland – Party oder Partie?

20 Jun

Party, Party, Party! Aber was ist mit der Partie? (Quelle:Abendblatt.de)

Party, Party, Party! Aber was ist mit der Partie? (Quelle:Abendblatt.de)

So, und jetzt wird mal Klartext gesprochen. Über Public Viewing, über alkoholisierte Halbstarke und die, die es noch werden wollen.

Wir schreiben Freitag den 18. Juni 2010 irgendwo in Deutschland. Der Tag beginnt wie jeder andere auch – aufstehen, frühstücken, zähneputzen, doch irgendwas ist anders als sonst. Auf den Straßen wehen Flaggen in schwarz-rot-gold, Autospiegel tragen Bezüge in eben diesen Farben und der Apotheker oder die Bäckerin um die Ecke tragen weiße Trikots mit dem Bundesadler auf der Brust.

Ob in der Straßenbahn, an der Universität oder im Wartezimmer in der Zahnartztpraxis – überall steht die eine Frage im Mittelpunkt: „Und, wo guckst du heute Deutschland?“

Opelaner verschieben ihre Arbeitsschichten, fangen an früher zu arbeiten, um um 13:30 Uhr an irgendeinem überfüllten Platz Bochums zu stehen und gemeinsam mit der Masse das zur Zeit so liebgewonnene Public Viewing zu erleben.

Nicht ganz so voll wie 2006, aber dennoch ein Top-Event - das Public Viewing 2010 (Quelle:TZ-Online)

Nicht ganz so voll wie 2006, aber dennoch ein Top-Event - das Public Viewing 2010 (Quelle:TZ-Online)

Deutschland gegen Serbien – diese Partie ist der Grund für die anomalien des deutschen Alltags. Eine Wanne-Eickeler Schule gibt ihren Schülern einen verkürzten Schultag. Feierabend schon um 13:10, damit jeder pünktlich zur Nationalhymne dabei sein kann.

Was passiert dann um 13:30 Uhr in Deutschland? Tausende von Menschen, überwiegend Teenager in Trikot, Mütze und Schal, alles in schwarz-rot-gold, drängen sich vor die Monitore und Leinwände in den Städten. Zuhause gucken ist out. Man guckt nun im Rudel, teileweise mit Menschen, die man auf der Straße normalerweise keines Blickes würdigen würde. Aber plötzlich ist alles anders. Gut die Hälfte der Rudelgucker gehören dem weiblichen Geschlecht an, von der anderen Hälfte haben 30% mit Fußball normalerweise nichts am Hut. Doch man philosophiert über den König Fußball – zumindest versucht man es.

Auffällig dabei ist, dass die am stärksten geschminkten, die am tollsten verkleideten oder die lautesten Schreier von Fußball nicht viel verstehen. Aber muss man das überhaupt? Wozu soll man wissen, wer Tim Wiese ist, oder warum Jogi Löw Klose spielen lässt und nicht Cacau oder Kießling? Im Mittelpunkt steht das Event, wie es im Neudeutschen so schön heißt. Die Party und nicht die Partie stehen im Vordergrund. Und so sieht man nach dem Führungstreffer der Serben nur wenig traurige Gesichter in den Menschenmassen.

Hier wird noch um die DFB-Elf gebangt (Quelle:Badische-Zeitung.de)

Hier wird noch um die DFB-Elf gebangt (Quelle:Badische-Zeitung.de)

Statdessen stößt man immer wieder auf alkoholisierte Halbstarke, die ihre ersten Erfahrungen mit Bier und Schnaps machen. Ein Graus für den Fußballintelektuellen. Wäre er doch lieber mit seinen vier Buchstaben auf der eigenen Couch geblieben und hätte er doch auch mit ein paar ausgewählten Freunden in gelassener Atmosphäre das Spiel vor dem heimischen Fernseher geschaut.

Um 15:17 Uhr, immernoch an diesem besagten Freitag,  scheint das Land wieder zu erwachen. Der Verkehr fließt wieder in alle Richtungen. Deutschland hat zwar verloren und muss um den Einzug ins Achtelfinale bangen, aber Traurigkeit und Enttäuschung ist nur in wenigen Gesichtern zu erkennen. Meist in denen von Menschen ganz ohne Kluft, oder mit einem dezenten schwarz-rot-goldenen Kettchen am Hals. 

In den Gesprächen auf den Straßen hört man nur wenig Spielanalysen oder kompetente Aussagen zum Spiel, sondern wieder die vertraute Frage: „Und, wo guckst du nächste Woche Deutschland?“

Aufstehen oder Heimreise!!!

18 Jun

Das Ergebnis war ein Schock. Serbien gewinnt gegen die deutsche Nationalmannschaft 1:0 und sorgt damit für Spannung in Gruppe D und für Katerstimmung im fussballbegeisterten Deutschland. Und das um kurz vor 4 (das Sprichtwort „kein Bier vor 4“ dürfte heute im Großteil Deutschlands zu Recht vernachlässigt worden sein).

Und? Wie soll es jetzt weitergehen? Die Anfangseuphorie nach dem überragenden 4:0 gegen Australien scheint zumindest für den Anfang gewichen zu sein. Und bei wem dürfen wir uns dafür bedanken? Auf jeden Fall bei dem Einen Spanier, wahrscheinlich einer der wenigen die von Fussball nichts verstehen. Ich meine sind wir ehrlich: Hätte der Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco so gut gepfiffen wie sein Name klingt, dann wäre zumindest Miro Klose nicht vom Platz geflogen und das Spiel wäre anders verlaufen. Aber eigentlich müsste der Schiedsrichter nach seiner Leistung ab sofort Axel Schweiss heißen. Das Foul von Miro war niemals gelb-würdig. Denn mit seinem Foul hat er weder die Gesundheit des Gegenspielers gefährdet, noch ein taktisches Foul begangen. Eine klare Fehlentscheidung!!!! Und auch die anderen gelben Karten, die der Schiedsrichter verteilt hat waren überzogen. Hätte er seine Linie aus der ersten Hälfte beibehalten, dann wären am Ende nur 8 Spieler pro Team auf  dem Platz gestanden.Es war ein faires Spiel, und dafür sind insgesamt 8 gelbe Karten einfach zu viel. An diesem Punkt sollte sich auch die FIFA mal hinterfragen, ob dieses ganze Gerede vom „strengen Durchgreifen“ bei taktischen Fouls nicht dazu führt, dass dem Fussball die Seele des leidenschaftlichen Sports nicht geraubt wird und viele Spieler zu unrecht bestraft werden.

hätte für den Ausgleich sorgen können: Lukas Podolski quelle: kicker.de

Aber eigentlich ist doch gar nichts passiert. Das deutsche Team hat es immernoch selbst in der Hand ins Achtelfinale zu kommen. Zumal die spielerische Leistung mit 10 Mann absolut in Ordnung war, sogar noch mehr. Ich habe bei diesem Tunier noch keine Mannschaft gesehen, die in Unterzahl sich soviele Chancen erspielt hat. Alleine Podolski hätte ja dreimal Treffen können (und den verschossenen Elfer kann man ihm verzeihen. passiert!). Und dann ist es mir doch lieber jetzt eine Niederlage zu kassieren, als in den KO-Spielen. Denn jetzt hat man die Chance aus der Partie zu lernen, ohne direkt die Koffer zum Flughafen schleppen zu müssen. Man hat gesehen, dass Badstuber noch nicht soweit ist um in jedem Spiel eines solchen Tuniers seine beste Leistung abrufen zu können, ebenso Özil und Müller. Aber daraus kann man lernen, vor allem werden die jungen Spieler aus dieser Niederlage mehr lernen als aus einem souveränen Sieg. Jetzt wird sich die Klasse der jungen Spieler zeigen müssen. Aufstehen oder Heimreise!!!

jetzt muss es weiter gehen!!!! Quelle: bild.de

Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber ich glaube an das Team. Und ich glaube das es wieder aufstehen wird. Besonders weil die Leistung insgesamt vielleicht sogar höher Einzuschätzen ist als die gegen Australien. Mit 10 Mann gegen einen wesentlich stärkeren Gegner nur 1:0 zu verlieren und dabei einem 1:1 sehr nah zu sein, verdient Respekt. Wahrscheinlich mehr als ein 4:0 Sieg gegen einen deziemierten Gegner wie Australien.

Jetzt geht es erstmal gegen am Mittwoch gegen Ghana. Und danach sollte man weitersehen. Aber ich glaube, dass diese Niederlage das Team stärker machen wird!!! Ich halte es solange mit dem Kaiser: Schau`n mer mal!

Versager beim VfL, Helden in der Heimat

8 Jun

Auch wenn man es nicht glauben mag – der VfL Bochum ist zwar abgestiegen, aber trotzdem stellt er bei der kurz bervorstehenden WM in Südafrika gleich drei Spieler aus dem aktuellem Kader. Mit dem zur Zeit noch ausgeliehenen Torhüter Daniel Fernandes wären es sogar vier. In welchen Gruppen unsere Nationalspieler also antreten und welche Chancen die (Noch-) VfL-Akteure haben –  hier gibt es die Antwort.
Schoss das entscheidende Tor im WM-Play-Off-Spiel gegen Ägypten - Anthar Yahia (Bild: dzsat.org)

Schoss das entscheidende Tor im WM-Play-Off-Spiel gegen Ägypten - Anthar Yahia (Bild: dzsat.org)

ALGERIEN: Anthar Yahia

Anthar Yahia, Arabischer Fußballer des Jahres 2009, trifft mit Algerien in Gruppe C auf England, die USA und Slowenien. Bei letzterem Team könnte es zum Aufeinandertreffen Yahias mit seinem VfL-Teamkollegen Zlatko Dedic (siehe unten) kommen – und das gleich im ersten Gruppenspiel. Die Favoriten in dieser Gruppe C werden sicherlich die Engländer sein, um den zweiten Platz wird es wohl auf einen Zweikampf zwischen Algerien und den USA hinauslaufen, auch wenn die USA hier etwas favorisierter sind. 

Anthar Yahia unterdessen spielt seine erste WM und wird wohl zur Stammformation gehören, war er doch maßgeblich an der WM-Qualifikation seines Landes beteiligt. Im Play-Off Spiel um den WM-Platz sicherte der VfL-Innenverteidiger seinen Farben das Ticket für Südafrika, als er in der 40. Minute zur 1:0-Führung traf und den Sieg gegen Ägypten damit perfekt machte.

 Für Yahia wird es ein spannendes Turnier in zweierlei Hinsicht: Zum Einen weil es eine WM auf dem eigenen Kontinent ist, zum Anderen weil Yahia die Chance hat, sich auf der großen Fußballbühne für andere Vereine interessant zu machen. Mit Sicherheit wird der Verteidiger nicht mit dem VfL Bochum in die zweite Liga gehen.

Schoss sechs Tore in der WM-Qualifikation - Stanislav Sestak (Bild:Weltfussball.net)

Schoss sechs Tore in der WM-Qualifikation - Stanislav Sestak (Bild:Weltfussball.net)

SLOWAKEI: Stanislav Sestak

Eine ähnlich schwere Gruppe wie sein Mannschaftskollege Anthar Yahia hat auch der Slowake Stanislav Sestak. Kein geringerer als der, momentan etwas kriselnde, Weltmeister Italien sowie Paraguay und Neuseeland sind die Gruppengegner der Slowakei.

Obwohl „Stani“ beim VfL nur sechs Tore in der gesamten Saison schoss, zählt er unter Slowakei-Trainer Vladimir Weiss zu den „Star-Spielern“ der Nationalmannschaft, weil er sein Land mit sechs Toren im Alleingang zur WM schoss. Ob es in Südafrika für das Achtelfinale reicht, sei dahingestellt. Paraguay und Italien werden wohl den Gruppensieg unter sich ausmachen. 

Aber auch für Sestak geht es, genauso wie für Yahia, um das Vorspielen für andere Vereine. Sestak und der VfL werden wohl auch getrennte Wege gehen.

Auch er schoss ein entscheidendes Tor, nämlich das 1:0 im WM-Play-Off-Spiel gegen Russland - Zlatko Dedic (Quelle:Bundesliga.de)

Auch er schoss ein entscheidendes Tor, nämlich das 1:0 im WM-Play-Off-Spiel gegen Russland - Zlatko Dedic (Quelle:Bundesliga.de)

SLOWENIEN: Zlatko Dedic

Noch so ein Qualifikations-Held! Das WM-Play-Off-Hinspiel gegen Russland verlor Dedic noch mit 1:2, doch vier Tage später, im Rückspiel, besorgte „Sladdi“ mit seinem Tor den 1:0-Sieg und damit die Teilnahme an der WM. Seitdem ist der Stürmer sowas wie ein Volksheld in Slowenien.

In Gruppe C wird er auf Yahias Algerien, sowie auf England und die USA treffen. Auch wenn für Dedic und seine Slowenen schon nach der Vorrunde Schluss sein wird, wird der 25-jährige wertvolle internationale Erfahrung sammeln, die dem VfL Bochum, sollte Dedic bleiben, im Aufstiegskampf helfen könnte. Zusammen mit dem Kölner Bundesligakollegen Milivoje Novakovic soll in Südafrika aber zunächst Unmögliches möglich gemacht werden – der Einzug ins Achtelfinale.