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Zehn Fakten über die Fans des VfL Bochum

13 Apr

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So voll wie auf diesem Bild, ist es im Ruhrstadion nur selten. Das hat verschiedene Gründe. Foto: Giustolisi

Aus gegebenen Anlass (siehe: Kritik von Gertjan Verbeek an die Fans des VfL Bochum) sind hier zehn Fakten, die man über den VfL und seine Fans wissen sollte.

  1. Voll wird es beim VfL nur selten. Wenn der FC Bayern an die Castroper Straße kommt, ist das Stadion aber ausverkauft. Dann kommen Menschen, die man vorher noch nie im Stadion, geschweige denn in der Nähe eines Fußballplatzes jeglicher Couleur gesehen hat.
  2. Wenn der FC Schalke oder Borussia Dortmund an die Castroper Straße kommen (waren das noch schöne Zeiten!), ist das Stadion voller Leute, die nicht für den VfL Bochum sind. Klar, wie sollte man das Stadion sonst füllen?
  3. Spielt der VfL am Freitagabend, kommen mehr Fans als sonst, da dann noch die Studenten in der Stadt sind, die erst am Samstag in ihre Heimatkaffs fahren. Beim Stadionbesuch geht es nicht um den Fußball, sondern um den Lifestyle: Fiege-Bier, Bratwurst und danach ab ins Bermuda-Dreieck – der Stadionbesuch als Ort zum Vorglühen für den Freitagabend. Konstante Stadiongänger sind die Studis aber nicht.
  4. Am Saisonende kommen mehr Fans als sonst. Nach dem Motto: „Wir tun uns das noch einmal an und dann ist erstmal Pause.“
  5. Ist das Stadion mal ausverkauft, herrscht Chaos auf der Ostkurve, ach was, rund um das ganze Stadion! Parkplätze, das ist irgendwie klar, sind rar, die A40 dicht, die Straßenbahnen überlastet, auf der Ostkurve die Zugänge verstopft und die Kurve an sich sowieso viel zu voll.
  6. Die Westkurve ist immer leer, weil a) die Stimmung zwischen Rentnern, Familienausflüglern und Antifußballern zu Wünschen übrig lässt und b) Sandhausen, Heidenheim und Co. niemals 3000 Plätze füllen werden. Gut, dass der VfL immerhin die Preise für die Heimfans gesenkt hat.
  7. Auf der Ostkurve stehen zu viele Menschen, die eigentlich in der Westkurve (siehe Punkt 6) besser aufgehoben wären. Zu viele von ihnen singen nicht mit, weil sie die Texte nicht kennen oder einfach nur Schlaftabletten sind, andere sind nur aus Neugier gekommen, weil in der Stadt grad nichts los war. Um so weiter außen man in der Ostkurve steht, desto schlimmer. Wer die Mannschaft anfeuern will, sollte aufpassen, dass er die Nachbarn nicht beim Gespräch stört.
  8. Es kommen im Schnitt gefühlt nur um die 13.000 Zuschauer ins Ruhrstadion, weil der VfL einfach nicht mehr Fans hat. Das mag auch an der großen Fußballclubdichte in Nordrhein-Westfalen liegen. Schalke und der BVB saugen ja schon fast alles an Fans auf, was nicht bei drei auf die Bäume springt. Klar, bei Facebook hat der VfL fast 100.000 Sympathisanten, aber mehr als das sind sie auch nicht. Ein ausverkauftes Ruhrstadion gelingt in der Regel nur durch Hilfe der Auswärtsfans. Oder, wenn der VfL mal konstant erfolgreich ist.
  9. Block A und B sind Orte, an denen sich weiße Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ihren Frust aus der Seele schreien. Nirgendwo sonst im Stadion (außer vielleicht in der Moritz-Fiege-Lounge) ist die Rate an Männern mit Midlife-Crisis höher, als dort.
  10. So laut, wie sie immer dargestellt werden, sind die VfL Fans nicht. Wer auch immer den Mythos vom Donnerchor aufgestellt hat, war wohl im falschen Stadion. Ja, wenn der VfL führt und die Stimmung bei den Fans gut ist, kann es wirklich laut werden, aber wann ist das schon der Fall?

 

Anmerkung: Diese Zeilen wurden von einem VfL-Fan verfasst, der mal in der Ostkurve, mal in Block A und B und selten auch mal die Westkurve besucht.

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Die Fußballtherapie – Nachspielzeit

26 Mai

Quelle: tagesspeigel.de

4 Minuten sind keine besonders lange Zeit. Meist vergehen die damit verbundenen 240 Sekunden oder 24.000 Hundertstel doch recht schnell. Außer wenn man Fußball schaut. Und das Spiel einen ausgeglichenen Spielstand hat. Da ist es egal ob es sich dabei um ein 0:0, 2:2 oder 17:17 handelt. Oder wie hier ein 1:1. Dann kann es sich um eine Ewigkeit handeln. Vor allem wenn der Gegner, trotz Unterzahl, plötzlich einen Eckball hat. Dieser wird scharf und hoch auf das lange Eck unseres Fünfmeterraums gebracht, wo Dabrawski in das Kopfballduell mit dem gegnerischen Innenverteider Kallor geht. Obwohl als Erster am Ball köpft er aus Versehen Kallor, der nach dem Sprung schon wieder auf dem Weg abwärts ist, an die linke Schulter. Von da aus tropft der Ball in die Mitte ab wo der gegnerische Mittelstürmer lauert. Ein perfekter Absprung und eine optimale Seitwärtsdrehung  legt er zum Seitfallzieher an. Der Ball kommt genau auf den Vollspann und wird durch einen strammen Schuss in Richtung Führung katapultiert. Unser Torwart hat keine Zeit mehr eine Hand hochzubekommen und entscheidet sich für die logische Abwehrvariante. Relfexartig dreht er sein Gesicht in Richtung des herannahenden Balles und stoppt das fast sichere Tor mit seinem Nasenbein. Während er selbst zu Boden sinkt kann Klöppin, der am zweiten Pfosten stand, zur nächsten Ecke klären.

Unser Torwart Lutte rollt sich in Embryonalhaltung auf dem Rasen rum, das Gesicht in den großen Torwarthandschuhen vergraben. Der Schiedsrichter lässt das Medizinteam auf den Rasen und die Jungs legen einen astreinen Sprint über das halbe Feld mit ihrem rotem Erste-Hilfe-Köfferchen hin. Frederico staunt nicht schlecht und fragt sich vermutlich, wie die so schnell rennen können. Die Behandlung dauert nicht lange und schon geht es weiter. Wieder alles zurück auf Anfang und die Ecke kommt von der gleichen Seite rein.

Diesmal nutzte das gegnerische Team eine zweite Variante und schlägt den Ball flach auf den kurzen Pfosten. Dort steht Freiher und befördert den Ball direkt wieder ins Aus. Die Sekunden verrinnen auf der Uhr. Noch 1 Minute zu spielen. Und schon kommt der gegnerische Torwart auch mit nach vorne, in der Hoffnung, dass in ihm ein Jens Lehmann oder Frank Rost steck. Wir sind vor der vermutlich letzten Chance nahe dem nervlichen Zusammenbruch. Mein Bierbecher ist schon zu ¾ geleert, weil ich dauernd einen neuen großen Schluck brauche. Die Anspannung sorgt sogar für Stille bei dem magischen Trübinen-Trio Schlacks, Bierbauch und Mr. Fotze, die alle wie gebannt auf die andere Spielhälfte blicken.

Diesmal wird wieder die erste Eckballvariante genutzt und der Ball kommt mit Schmackes auf den zweiten Pfosten. Hektische Bewegungen im Fünf-Meterraum, die ersten Spieler fliegen unter dem Ball vorbei, der gegnerische Torwart steht goldrichtig und springt ab. Im selben Moment tut Lutte ihm dies gleich, allerdings springt er statt senkrecht mehr diagonal nach oben um mit der gestreckten Faust noch den Ball zu erreichen. Es kommt zum Duell der Torhüter. Lutte erreicht den Ball Millisekunden vorher und boxt ihn aus der Gefahrenzone. Dieser wird dabei noch unglücklich von einem aufgerückten gegnerischen Verteidiger abgefälscht und landet direkt bei dem wartenden Frederico. Er braucht sich nicht wirklich umzuschauen, sondern drischt den Ball aus der Drehung nach vorne.  An der Mittellinie wartete Devic auf die unwahrscheinliche letzte Chance und versucht nun mit Händen und enorm viel Körpereinsatz das Laufduell gegen den letzten verbliebenen Verteidiger zu gewinnen. Während dessen hasten alle anderen gegnerischen Spieler panikartig zurück in die eigene Hälfte um das verwaiste Tor vielleicht doch noch beschützen zu können.

Im Stadion halten alle die Luft an. 18.276 Zuschauer beobachten das letzte Duell. Der Ball rutscht über den Rasen und ist fast auf Höhe des Sechszehners. Devic scheint im Nachteil, wodurch der Verteidiger noch klären könnte. Doch im letzten Moment macht er mit den Füßen voran einen großen Satz und bugsiert den Ball in Richtung des leeren Tores. Der mitgeeilte Verteidiger kann da seine Laufbahn nicht schnell genug ändern und ist raus, während der gegnerische Torwart es tatsächlich noch in den Sechzehner geschafft hat. Mit einem Hechtsprung versucht er den Ball noch zu erreichen. Die Fingerspitzen scheinen diesen noch zu berühren. Doch vergeben. Tor.

Das Stadion explodiert. Es ist wie ein einziger gewaltiger Aufschrei aus tausenden Kehlen. Es spielen sich unglaubliche Szenen ab, alle liegen sich in den Armen. Simon und mich umarmt plötzlich die Perle des Herrn mit der unruhigen Pulsschlagader und es ist mir scheiß egal. Ihm anscheinend auch, denn er schlägt auf ein mir fast die Hand brechendes High-Five ein. Die Stimmung ist famos, alle drehen faktisch durch, als die Anspannung sich löst. Der Schiedsrichter hat das Spiel mittlerweile abgepfiffen und unsere Spieler liegen sich in den Armen. Sämtliche noch vorhandenen Bierreste auf der Ostkurve sind durch das Tor wild umher geschüttet worden und auch ich habe den Rest meines Bieres fair mit allen um mich herum geteilt. Wir feiern als hätten wir gerade die Meisterschaft gewonnen.

Die Fußballtherapie – Schlussphase

21 Apr

Quelle: fansoccer.de

Aufgrund der bisher doch recht stressigen 2. Halbzeit war der Bierkonsum höher als antizipiert. Dieser Fehler muss jedoch schnell behoben werden und mit einem kurzen Hinweis an Jens und Manfred „Bier ist alle“ machen die beiden sich auf den Weg, da Simon und ich in der Halbzeitpause waren. Hinter uns grölt Mr. „Fotze“ unaufhörlich weiter, mit abnehmender, teils quickender Stimme. „Könnte an der Schreierei liegen oder der Treffen hat eine Kettenreaktion ausgelöst und seinen Hormonspiegel versaut“. Ich schaue Simon an und weiß nicht, ob ich lachen kann, denn der Beschriebene scheint dies ebenfalls mitbekommen zu haben und dreht langsam sein Gesicht zu Simon. Die stark arbeitende Pulsschlagader pumpt scheinbar enorm viel Blut in den Kopf und ich meine die Rädchen in seinem Kopf arbeiten zu sehen. Dabei scheinen sie gerade noch im Zwischenhirn zu sein als uns ein lautes Aufheulen rettet. Unsere Mannschaft hat gerade eine starke Chance gehabt und tatsächlich beinahe ein Tor geschossen. Dies scheint unseren Kameraden mit dem aggressiven Blick abzulenken. Eine Minute später sind die anderen beiden mit Gerstensaftnachschub da und wir beruhigen unsere Nerven mit einem großen Schluck Bier.

Auf dem Feld folgt auf den vom Torwart der gegnerischen Mannschaft vereitelten Schuss ein Eckball. Diesen bringt der eingewechselte Altnationalspieler Freiher genau in die Mitte mit einem langsamen hohen Ball. Alle starren auf das herannahende Spielgerät, Dabrawski schraubt sich hoch und hämmert dieses mit dem Kopf in Richtung des Tores. Ein lautes „Klonk“ macht deutlich, dass dies leider nicht ausreichend war und der Ball vom Quergebälk zurück aufs Spielfeld trudelt wo ein Verteidiger mit einem Befreiungsschlag klären kann. Sofort wird der Ball wieder in den gegnerischen Sechzehner zurückgedroschen. Der Druck steigt und das Spiel verlagert sich immer mehr in die gegnerische Hälfte. Wir frohlocken, da nun Aussicht auf ein Last-Minute-Tor besteht. Leider scheint das Mittel der Wahl lediglich aus hohen Bällen, die aus jeglicher Position nach vorne geschlagen werden, zu bestehen. „Jetzt spielen wir sie an die Wand, das ist wirklich stark. Das hätten wir auch von Anfang an so machen können“ kommt es vom Bierbauch, „wenn wir diesen aufrecht erhalten können, machen wir bestimmt noch ein Tor“. „Es sind ja noch ein paar Minuten“ fügt der Schlacks hinzu und ein Blick meinerseits auf die Stadionuhr verrät, dass wir noch genau 2 Minuten über haben.

Gerade fliegt wieder ein hoher Ball in Richtung gegnerisches Tor als der Torhüter rausgeflogen kommt und diesen kurz vor dem vor 5 Minuten eingewechselten Devic klärt. Der gefaustete Ball landet beim Spielmacher der Gegner und dieser spurtet los wie verrückt. Hinter uns wird das Schreckensszenario schon Wirklichkeit. „ NEINNEINNEINNEINNEIN, Stop, umtreten du Fotze“. Panikartig rudert die Glatze mit den Armen um sich und zwingt nicht nur uns sondern auch andere Tribünenbesucher sowie seine Freundin zum Ausweichen. Dabei scheint er seinen noch halbvollen Bierbecher in der rechten Hand vergessen zu haben und verteilt schön gleichmäßig das goldene Lebenselixier auf die Jacken und Fanschals der Umstehenden. Auf der anderen Seite des Feldes zeigt der sprintende Spielmacher seine Qualitäten und bringt den Ball mit einem gezielten Pass zum Außenstürmer. Der zieht nach innen und legt den Ball zurück auf den Spielmacher. Die völlig überforderten Innenverteidiger hatten sich nach dem vorhergehenden Pass komplett auf den Außenstürmer konzentriert und können den platzierten Schuss nicht mehr zuvorkommen. Unser Torwart springt katzenartig in die Schussrichtung des Balles und berührt diesen noch mit den Fingerspitzen seines Armes. Das laute „Klonk“ des rechten Pfostens lässt den gegnerischen und unseren Block aufstöhnen, der Ball geht in einen wunderbaren rechten Winkel wieder auf das Spielfeld und wird von einem zurückgeeilten Außenverteidiger völlig freistehend und ohne Bedrängnis zur Ecke geklärt. Der plötzliche Gegenangriff ließ meinen Puls enorm hochschnellen und ich schaue nervös auf die Anzeigetafel. Bitte nur den einen Punkt halten.

An der Seitenlinie hebt der vierte Offizielle just in diesem Moment die Anzeigetafel und kündigt damit eine 4-minütige Nachspielzeit an. Ich nehme noch einen kräftigen Schluck, während Simon und Jens mir dies nachtuen und Manfred uns zuraunt „4 Minuten, ich hoffe das geht gut“.

Peterchens Mondfahrt Teil 2?

8 Apr

Quelle:http://media.bundesliga.de/media/images/00_vereinsbilder/bochum/boc_neururer_tanzt_628.jpg

Es ist für den VFL Bochum die Transfersensation vor dem Abschluss der Saison: Peter Neururer übernimmt mit sofortiger Wirkung die Position des Cheftrainers beim VFL. Damit ist er der dritte Trainer in der laufenden Saison, nachdem schon Andreas Bergmann gehen musste und nun auch Karsten Neitzel. Außerdem wird auch Jens Todt entlassen, welcher als Sportdirektor erst vor weniger als 2 Jahren Thomas Ernst beerbte.

Lange hatte man bereits darüber spekuliert, ob die beiden bis zum Ende der Saison bleiben würden, die Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten und das damit verbundene Abrutschen auf den Relegationsplatz sorgten jedoch für eine frühzeitige Personalumstrukturierung.

Nun kommt Peter Neururer wieder, welcher bei vielen VFL Fans immer noch als einer der besten Trainer gilt, die der VFL in seiner Geschichte hatte. Zwischen 2001 und 2005 führte er den VFL auf den fünften Tabellenplatz und tanze sich mit seiner Mannschaft in den UEFA-Cup. Daraufhin folgte die steile Talfahrt nach dem für alle Beteiligten schmerzhaften Moment als der Brasilianer Eduardo Goncalves de Oliveira, kurz Edu, im Qualifikationsspiel gegen Standard Lüttich in der letzten Minute über den Ball trat und somit das Ausgleichtor vorbereitete und das Ausscheiden besiegelte.

Ob es ihm gelingt die Mannschaft wieder zurück auf die Siegesstraße zu führen und vor dem drohenden Weg in die 3. Liga zu bewahren bleibt abzuwarten. Ihm bleiben nur 6 Spiele, jedoch gilt es Peter Neururer als großer Motivator und könnte auch durch seine Verbundenheit zum Verein für eine Wende sorgen.

„Ich habe keine Hundertstelsekunde gezögert. Das ist der VFL Bochum!“ beschrieb Neururer seine Reaktion auf das Angebot. „Das ist ein Verein, für den ich in jeder Situation alles tun würde. Ich habe bekanntlich schon viel gemacht als Trainer, aber das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe, die ich je hatte“.

Am Montagnachmittag um 16 Uhr wird Peter Neururer an der Castropher Straße im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass er diese schwierige Aufgabe meistern wird.

Die Fußballtherapie – 2. Halbzeit

24 Mrz

Quelle: http://www.google.de/imgres?q=rote+karte+bochum&um=1&hl=de&sa=N&biw=1600&bih=771&tbm=isch&tbnid=7xx4MLYyeqRauM:&imgrefurl=http://www.tsv1860.de/aktuell/news/dfb-pokal-achtelfinale-loewen-aus-nach-vallori-platzverweis&docid=3kaUrOitQxzgWM&imgurl=http://www.tsv1860.de/files/file_931/Vallori_Rot_490.jpg&w=490&h=350&ei=vVJPUeObMpDL0AWRnoH4Dg&zoom=1&iact=rc&dur=323&page=1&tbnh=147&tbnw=229&start=0&ndsp=28&ved=1t:429,r:20,s:0,i:151&tx=59&ty=51

Die gegnerische Mannschaft nutzt den Anstoß um den Ball aus dem Mittelkreis zurück zur Abwehr zu schieben und langsam ihren Angriff aufzubauen. Unsere Mannschaft spielt nun auf das Tor vor dem Heimfanblock, was uns Anlass zur Hoffnung und Sorge gibt. Hoffnung, dass wir hier jetzt die Tore sehen werden, Sorge, dass wir praktisch nichts mehr sehen. Ein plötzlicher Fehlpass auf dem Weg nach Vorne sorgt für eine gute Kontersituation. Mit schnellen präzisen Pässen wird das Mittelfeld überwunden. Ikui kommt über die linke Seite, dribbelt dort überragend den Rechtsverteidiger der Gegner aus und legt den Ball flach in die Mitte an den Rand des 16er-Kreises. Unser sonst so bewegungsfauler Spielmacher „Miracolli“-Frederico läuft in für ihn überagendem Tempo und setz mit einem gezielte Schuss den Ball knappe 8-9m über die Latte.

Dieser ernstzunehmende Torschuss unserer Mannschaft löst im Fanblock pure Begeisterung aus. Waren die Fans in den ersten Minuten noch ganz ruhig und bangten, ob den die Mannschaft den Weg zurück ins Spiel finden würde, waren sie jetzt Feuer und Flamme. „Kämpfen! Kämpfen!“ rufen sie voller Inbrunst. Fredericos Reaktion auf die unerwarteten Anfeuerungen ist ein kurzer Daumen nach Oben. Alles ok. Der Fuß ist nicht überlastet vom ersten Schuss.

„Da hat der Trainer anscheinend die richtigen Worte in der Kabine gefunden. Die Mannschaft ist wie ausgewechselt“, wackelt der Bierbauch. Der Schlacks nickt, klatscht weiter in die Hände. Mr „Fotze“ grölt indessen mit dem Rest des Blocks euphorisch die immer neue Anfeuerungsrufe.

In den nächsten zehn Minuten passiert praktisch nichts. Frederico scheint mit der bisherigen Leistung zufrieden zu sein und spaziert fröhlich über den Platz. Seine überragende Leistung untermauert er mit kurzen Sprints über 1-2 Meter. Als er versucht einen Ball zu erlaufen überholt ihn ein gegnerischer Mittelfeldspieler, der beim Start noch 3 Meter entfernt war. Es sieht ein bisschen aus als würde Schumacher gegen eine Schnecke ein Rennen fahren.  Einzig der Mannschaftskapitän Dabrawski versucht so etwas wie Offensivbemühungen zu zeigen.

Eine überaschende Balleroberung bringt den nächsten Angriff. Dabrawskis Pass auf den Stürmer Aydir, mit einer nie dagewesenen Genauigkeit, nutzt der Stürmer um den Ball vor den Strafraum zu tragen. Einer der drei dort postierten Abwehrspieler, die Nummer 3, geht rustikal zu Werke und bringt Aysir zu Fall. Der Block tobt, alles schreit „FOUL“ gemischt mit einem „Fotze“, der Schiedsrichter eilt herbei. Ein zweiter Abwehrspieler, die Nummer 5, steht über dem auf dem Boden sich wälzenen Aydir und scheint diesem eine Schwalbe vorzuwerfen. Der Mann in Schwarz trennt die beiden Spieler und zieht für das Foul zur Vereitelung einer klaren Torchance die rote Karte. Der gegnerische Abwehrspieler mit der Nummer 5 wird des Feldes verwiesen. Alle Spieler der Mannschaft scharen sich um den Schiedsrichter und reden auf ihn ein. Dieser scheint jedoch den Irrtum nicht einzusehen und verteilt weiterhin fleißig gelbe Karten fürs Meckern.

Der Fanblock nimmt dies belustigt zur Kenntnis und ruft: „Schick Sie alle runter, Sie habens verdient“. „Fotze, gib allen rote Karte, Schirifotze“ ist der, wie immer eloquente und fachgerechte, Beitrag des rhetorisch begabten Glatzkopfes.  Vielleicht sollte er für den neuen NewKids-Film vorsprechen.

Unser kleines Grüppchen ist jedoch von den Szenen auf dem Platz eher verwirrt. Haben wir irgendwie das offensichtlich von Spieler Nummer 3 begangene Foul dem Falschen zugeschrieben? Fröhlich glucksend tönt vom Schlacks „Absolut richtige Entscheidung, klare rote Karte. Ein solches Einsteigen ist gesundheitsgefährdend“. Der Bierbauch wackelt mit dem Doppelkinn zustimmend. Seine Freude manifestiert sich nun deutlich im Gesicht, welches rot wie eine Ampel leuchtet. Vielleicht aber auch eher ein Resultat des Bierkonsums.

Auf meiner anderen Seite ist die Diskussion passender zu meiner Wahrnehmung, jedoch herrscht Unsicherheit über unser aller Aufnahmefähigkeit. Jetzt schon zu viel Bier? Manfred grabscht in die linke Seitentasche seiner Hose um seinen elektronischen Apfel zutage zu fördern, nicht ohne vorher noch deutlich mit einem ordentlichen Taschenbilliardsstoß eine Kugel zu versenken. Seine Daumen wandern über den Display des elektronischen Apfels um in einem Livetext einer Sportwebsite eine Erklärung zu finden. Nur wenige Sekunden später zeigt ein lautes „Ha“, dass er fündig geworden ist. „Der Schiri ist wirklich ne Pfleife! Hat der doch glatt den falschen Spieler vom Platz gestellt“.

Ein Raunen geht durchs Stadion, welches uns zu erkennen gibt, dass wir den aus dem Foul resultierenden Freistoß von Frederico verpasst haben. Diesmal schien es wirklich knapper gewesen zu sein, was ich aus dem Kommentar des Schlacks „Das war aber knapp“ gekonnt schließe.

Das Spiel nimmt nun durch die rote Karte eine völlig neue Wendung. Unsere Mannschaft spielt nun scheinbar befreit auf und kommt immer wieder aus der eigenen Hälfte über die Mittellinie. Meist ist da zwar Ende, was den Fanblock aber nicht davon abhält immer frenetischer zu rufen. Plötzlich rutscht unser rechter Verteidiger Klöppin aus und lenkt den eigentlich platzierten Pass direkt auf den gegnerischen defensiven Mittelfeldspieler. Dieser hat aber den sich hinter ihm ausruhenden Frederico wohl leichtsinnig als gefahrenlos eingestuft und mit seiner unnachahmlichen Technik nimmt dieser ihm den Ball ab, dreht sich dabei wie Neo in der Matrix um die eigene Achse und hat plötzlich nur noch die beiden Verteidiger und Aydir vor sich. Selbst von der Tribüne aus ist zu sehen, wie es in ihm arbeitet. Soll er sich nun in Bewegung setzen oder direkt passen. Die Entscheidung fällt für Zweiteres. Ein tatsächlich perfekter Pass direkt über die Verteidiger hinweg wird von dem schnellen Aydir kurz vor der Sechzehnergrenze abgefangen. Der folgende Schuss erwischte den herausstürmenden Torhüter auf dem falschen Fuß, hatte dieser doch mit einem richtigen Torschuss gerechnet. Doch Aydir hatte gekonnt direkt auf den Torhüter geschossen, der seinen Kopf nicht mehr zum Ball bringen kann und im Fall zwischen linkem Ohr und Arm in die Maschen fliegt.

Die Reaktion der Ostkurve lässt nicht lange auf sich warten und folgt wie die Verzögerung eines Donners auf den Blitz. Alle liegen sich in den Armen, Mr „Fotze“ schmeißt seine Freundin, oder in welchem Verhältnis die beiden Personen auch immer stehen mögen, in die Luft, sodass sie beinahe auf Simon landet. Wie schlagen uns gegenseitig ab als hätten wir die Bude selbst geschossen und stoßen mit dem noch vorhandenen Bier an. Ein Blick auf die Stadionuhr zeigt, dass noch 10 Minuten zu spielen sind und uns gegebenenfalls eine spannende Schlussphase bevorsteht.

Alles richtig gemacht

6 Mrz

Quelle: vfl-bochum.de

Quelle: vfl-bochum.de

Warum der Autor dieses Textes seine Prinzipien brach und dennoch alles richtig machte

Wer mag eigentlich Schönwetter-Fans? Jeder verspottet sie und doch gibt es viele von ihnen. Dennoch wage ich es zu behaupten, dass ich nicht zu dieser Spezies gehöre. Wenn es die Zeit zulässt, pilgere auch ich an die Castroper Straße – bei Wind und Wetter, bei Bayern oder Braunschweig. Und auch die Tabellenlage unserer heiß geliebten grauen Maus, tief aus dem Westen, schreckt mich selten vor einem Besuch der Ostkurve zurück.

Es ist Freitag, 20 Uhr. In einer halben Stunde geht es los: Flutlichtspiel gegen Dynamo Dresden. Gut 15.000 Zuschauer werden an diesem milden Abend ins Rewirpowerstadion strömen – die günstige Anstoßzeit in dieser Länderspielwoche lässt es zu. Auch ich mache mich auf den Weg. Schon aus drei Kilometer Entfernung hört man bereits die Bochumer Ostkurve skandieren – und auch die Dresdner Schlachtenbummler hallen durch die Innenstadt. Ein Blick nach Osten lässt die grellen Flutlichter erahnen.

Ich schaue auf die Uhr. 20:10 Uhr – mein Schritt wird schneller. In fünfzehn Minuten würde ich bei diesem Tempo da sein. Ich checke noch einmal mein Portmonee und tappe nach einem 10€-Schein – das passt. Um kurz vor halb neun habe ich mein Ziel endlich erreicht. Ich schelle, die Tür geht auf, Freunde begrüßen mich. Zwei Stunden später erfahre ich von der 0:2-Niederlage des VfL gegen die Freunde aus dem Osten – auch der altbekannt Zlatko Dedic hat getroffen. Welch eine Schmach, denke ich und öffne meine zweite Flasche Fiege, während ich bereits an das nächste Heimspiel denke. Dieses Mal habe ich alles richtig gemacht.

Autorenkommentar: „Vfl Bochum entlässt Funkel“

14 Sep

Quelle: Tagesspiegel.de

Man möchte rufen: „Endlich haben sie es kapiert!!“

Friedhelm Funkel ist am Mittwoch als Trainer des VfL Bochums entlassen worden. Nach vier sieglosen Spielen in Folge und lediglich vier mageren Punkten aus den ersten sieben Spielen, blieb dem Aufsichtsrat um Sportvorstand Jens Todt keine andere Wahl mehr, als die Reißleine zu ziehen.

Dieses Mal glaubten auch die eingefleischten Anhänger des mürrisch wirkenden Aufstiegsexperten Funkel nicht mehr an eine Wendung, wie sie in der letzten Saison nach dem 1:4 gegen Ingolstadt eingetreten ist. Funkel hatte es nie geschafft, wirklich mehr als eine Mannschaft zu formen, die hinten drin steht und vorne dann teilweise durch Glück das 1:0 macht und damit auch nur wenige Sympathien bei den Fans gewonnen.

Dabei hat der Verein schon im letzen Jahr damit begonnen, den richtigen Weg einzuschlagen. Die Führungsriege des Vereins wurde neu besetzt, junge Spieler wie Matthias Ostrzolek, Kevin Vogt und Mirkan Aydin in die Mannschaft integriert.

Als jedoch zum Ende der letzten Saison die Mängel in der Defensive und im Spielaufbau wieder deutlich auftraten, hätte der Verein bereits reagieren müssen. Statt die offensichtlichen Probleme anzugehen, wurden Spieler wie Lukas Sinkiewicz, der schon beim FC Augsburg kaum gespielt hat oder Christoph Kramer, der bei Bayer Leverkusen II zwar regelmäßig zum Einsatz kam, jedoch wohl kaum mehr als eine Ergänzung ist, verpflichtet. Zusätzlich hat man es versäumt teure Spieler wie Giovanni Frederico oder Faton Toski abzugeben, die der Mannschaft eher selten halfen. Und Funkel vermochte es nicht aus den vorhandenen Spielern mehr herauszuholen.

Das Frank Goosen als Aufsichtsratsmitglied die Lage im Verein in einem offenen Brief an die Fans als „katastrophal“  beschreibt, hilft nicht wirklich Mut zu machen.

Es bleibt nun zu hoffen, dass ein neuer Trainer, der schon am Sonntag gegen Paderborn auf der Bank sitzen soll, den Verein vor dem freien Fall bewahren kann. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass ein Trainer verpflichtet wird, der auch im Umfeld des Vereins für eine Aufbruchsstimmung sorgen kann. Man darf gespannt sein, wer dies sein wird.