Tag Archives: VfB Stuttgart

Neulich beim VfL…:Mutlos, kraftlos, schuldlos?

25 Apr

Es war ein ernüchternder Freitagabend für die 25.431 Zuschauer, die sich noch ein vorletztes Mal voller Hoffnung in das Bochumer „Theatre of Nightmares“ wagten. Die Statistiker zählten unglaubliche 10 Torschüsse für den VfL. In welchem Spiel sie diese Beobachtungen taten, verrieten sie jedoch nicht. Im Spiel gegen den VfB Stuttgart hatte Jens Lehman jedefalls ein ruhiges Spiel, weil Bochum mut- und kraftlos auftrat. Ob allein die Spieler Schuld an diesem miserablen Auftritt hatten, ist jedoch eine andere Frage.

Bochums Mergim Mavraj im Luftkampf mit Ciprian Marica (Bild:kicker.de)

Bochums Mergim Mavraj im Luftkampf mit Ciprian Marica (Bild:kicker.de)

Zum ersten Mal in dieser Saison ließ Trainer Heiko Herrlich seine Schützlinge im 4-3-2-1-System auftreten. Seit Mittwoch wurde das System einstudiert. Laut Herrlich sollte man so mehr Stabilität im Defensivverbund bekommen.

Was dabei aber rauskam, war eine einzige Katastrophe. Stanislav Sestak wirkte als einziger Stürmer wie ein Fremdkörper im Bochumer Angriffsspiel und sah gegen die mühelosen Suttgarter Innenverteidiger Tasci und Delpierre keinen einzigen Stich.

Sowohl Lewis Holtby als auch Joel Epalle fanden von Beginn an im Offensiven Mittelfeld nicht ins Spiel, schlugen viele Fehlpässe und liefen sich in unnötigen Zweikämpfen fest.

Das defensive Dreiermittelfeld mit Fuch, Maric und Yahia war gegen den agilen Gebhart und den flinken Hilbert überfordert. Vor allem Yahia wirkte in der Vorwärtsbewegung ideenlos und überhastet. Auch der zuvor hochgelobte Milos Maric war ein Schatten seiner selbst. Dass Christian Fuchs überhaupt mitspielte, konnte man lediglich dem Spielbericht entnehmen.

Und die Verteidigung? Mavraj und Maltritz ließen sich von Cacau und Marica schwindelig spielen und die beiden Außenzangen Bönig und Pfertzel waren in der Rückwärtsbewegung zu langsam und nach vorne eine absolute Ungefahr.

Über Heiko Herrlich und sein „Tannenbaumsystem“ wurde bisher nicht gesprochen. Dass seine Mannschaft schon in der ersten Halbzeit keinen Druck nach vorne aufbauen konnte, erkannte Herrlich nicht. Statt Yahia aus dem Spiel zu entfernen und einen weiteren Stürmer wie Dedic oder Hashemian zu bringen, tauschte Bochums Trainer seelenruhig Position für Position aus. Sicherlich hätte man an diesem Abend die ganze Mannschaft aus dem Spiel nehmen müssen, aber nicht wenige hätten sich von Herrlich mehr Mut gewünscht.

Insofern kann man Stanislav Sestak keine Vorwürfe machen. Da vorne allein auf weiter Flur und von den desolaten „Offensivmännern“ Epalle und Holtby allein gelassen, blieb dem Slowaken nichts anderes übrig, als vergeblich auf Anspiele von Fuchs, Yahia und Maric zu warten. Und wenn dann mal ein Ball kam, waren Tasci und Delpierre zur Stelle.

Böse Zungen behaupten, mit dieser Angsthasen-Taktik könne man nur mut- und kraftlos auftreten. Wer möchte das abstreiten? Erschreckend, dass Molinaros Rückpass auf Lehmann der gefährlichste Bochumer Torschuss war. Erschreckend ist auch, dass sich Herrlich beim Stand von 0:2 bis zur 82. Zeit ließ, um nicht etwa einen weitern, kopfballstarken Stürmer wie Vahid Heshemian zu bringen, sonder Slawo Freier, der sich nahtlos ins traurige Bochumer Spiel einfügte. Wollte Herrlich etwa das schlechte Torverhältnis nicht noch schlechter werden lassen? Nach dem Spiel hieß es, man hätte sich nicht abschlachten lassen wollen – da fällt einem nichts mehr zu ein.

Dass keine Pfiffe oder gar Herrlich-Raus-Rufe von den Rängen kamen, ist eine absolut faire Geste von den Anhängern des VfL. Wenigstens eine Tatsache, die an diesem Abend nicht kraft- und mutlos war.

Was macht eigentlich Jens Todt?

10 Feb

Er hat exakt 209 Bundesliga- und 101 Zweitligaspiele gemacht. Seine Karriere als Profi begann er als Stürmer beim TSV Havelse in der 2. Bundesliga, damals unter Trainer Volker Finke.

Danach folgten folgende Stationen: SC Freiburg, Werder Bremen, VfB Stuttgart. Dort agierte der Niedersachse dann als Mittelfeldspieler. Die Rede ist von Jens Todt. Als er in der Saison 2002/2003 im Alter von 33 Jahren seine Schuhe an den Nagel hing, macht er gerade einmal drei Spiele für den VfB Stuttgart. Dann verschwand Jens Todt plötzlich von der Bildfläche.

Jens Todt - ein Mann mit vielen Talenten (Bild:abendblatt.de)

Jens Todt - ein Mann mit vielen Talenten (Bild:abendblatt.de)

Was danach geschah, war für einen Ex-Fußballprofi erst einmal eine eher ungewöhnliche Karriere. Gut, der Mann mit dem markanten Kinn wurde zwar zunächst Chefscout bei Hertha BSC, aber eigentlich wollte Todt etwas ganz anderes machen. Vor seinem Engagement bei der Hertha plante er schon mit einer Einstellung als Journalist bei einer Stuttgarter Zeitung.

Engagement beim Spiegel

Den Wunsch Journalist zu werden, erfüllt sich der gebürtige Hamelner dann aber ein Jahr später. Da er sich als Chefscout der Hertha ohnehin schon in der Bundeshauptstadt Berlin befand, heuerte er anschließend als Praktikant beim Spiegel und bei dessen Online-Platform Spiegel-Online an. Das ganze geschah im Jahre 2004. Wieder ein Jahr später stieg Todt dann zum Volontär auf und wurde sogar beim Panorama-Ressort fest angestellt, wo er allerdings nur bis 2007 blieb.

Angebot aus Hamburg

Lange hielt die Zusammenarbeit mit dem Spiegel also nicht. Im Jahre 2008 folgte ein Angebot des HSV – Dietmar Beiersdorfer hatte eine Offerte, die Todt nicht ablehnen konnte. Zur Diskussion stand der Posten der Nachwuchsleitung beim Hamburger SV, den Todt am 1. Juni 2008 dann auch übernahm.

Aber auch hier blieb der dreifache Nationalspieler Deutschlands nur ein Jahr. Genau bis zum 25. Juni 2009, dann trat er auch beim HSV zurück. Das Verhältnis zu Dietmar Beiersdorfer, dem damaligen Manager des HSV, war gestört. „Es muss schon ein Grundvertrauen der Vereinsführung in die Arbeit geben. Gegen Ende der Saison war dieses Vertrauen wohl von beiden Seiten nicht mehr groß genug“, kommentierte Todt die Kritik des Vorstands an seiner Nachwuchsarbeit. Die Ausgaben für den Nachwuchs seien zu hoch gewesen, der Ertrag zu gering. Eine Meinung, die Todt nicht teilte. Er ging und machte erst einmal Urlaub mit seiner Familie.

Zurück in der niedersächsischen Heimat

Der Urlaub des Niedersachsen dauerte etwas mehr als ein halbes Jahr. Jetzt ist Todt wieder zurück im Geschäft. Dieses Mal ist er in seine Heimat Niedersachsen zurückgekehrt.  Am gestrigen 09. Februar 2010 unterschrieb er beim VfL Wolfsburg einen Vertrag als Nachwuchschef. „Wir wollen mehr Spieler in die Arena bringen“, sagte Todt bei seinem Amtsantritt und sprach damit ein heikles Thema in Wolfsburg an. Aus dem Kader der Wölfe stammt kein einziger aus der eigenen Talentschmiede. Doch der Ex-Profi findet in der Autostadt herausragende Bedingungen vor, wie er selbst betont:  „Das Leistungszentrum gehört sicherlich zu den Top Five der Liga. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, ich bin sehr angetan.“ Ob er aber auch hier nur ein einjähriges Engagement plant, ist nicht bekannt.