Tag Archives: Schlussphase

Die Fußballtherapie – Schlussphase

21 Apr

Quelle: fansoccer.de

Aufgrund der bisher doch recht stressigen 2. Halbzeit war der Bierkonsum höher als antizipiert. Dieser Fehler muss jedoch schnell behoben werden und mit einem kurzen Hinweis an Jens und Manfred „Bier ist alle“ machen die beiden sich auf den Weg, da Simon und ich in der Halbzeitpause waren. Hinter uns grölt Mr. „Fotze“ unaufhörlich weiter, mit abnehmender, teils quickender Stimme. „Könnte an der Schreierei liegen oder der Treffen hat eine Kettenreaktion ausgelöst und seinen Hormonspiegel versaut“. Ich schaue Simon an und weiß nicht, ob ich lachen kann, denn der Beschriebene scheint dies ebenfalls mitbekommen zu haben und dreht langsam sein Gesicht zu Simon. Die stark arbeitende Pulsschlagader pumpt scheinbar enorm viel Blut in den Kopf und ich meine die Rädchen in seinem Kopf arbeiten zu sehen. Dabei scheinen sie gerade noch im Zwischenhirn zu sein als uns ein lautes Aufheulen rettet. Unsere Mannschaft hat gerade eine starke Chance gehabt und tatsächlich beinahe ein Tor geschossen. Dies scheint unseren Kameraden mit dem aggressiven Blick abzulenken. Eine Minute später sind die anderen beiden mit Gerstensaftnachschub da und wir beruhigen unsere Nerven mit einem großen Schluck Bier.

Auf dem Feld folgt auf den vom Torwart der gegnerischen Mannschaft vereitelten Schuss ein Eckball. Diesen bringt der eingewechselte Altnationalspieler Freiher genau in die Mitte mit einem langsamen hohen Ball. Alle starren auf das herannahende Spielgerät, Dabrawski schraubt sich hoch und hämmert dieses mit dem Kopf in Richtung des Tores. Ein lautes „Klonk“ macht deutlich, dass dies leider nicht ausreichend war und der Ball vom Quergebälk zurück aufs Spielfeld trudelt wo ein Verteidiger mit einem Befreiungsschlag klären kann. Sofort wird der Ball wieder in den gegnerischen Sechzehner zurückgedroschen. Der Druck steigt und das Spiel verlagert sich immer mehr in die gegnerische Hälfte. Wir frohlocken, da nun Aussicht auf ein Last-Minute-Tor besteht. Leider scheint das Mittel der Wahl lediglich aus hohen Bällen, die aus jeglicher Position nach vorne geschlagen werden, zu bestehen. „Jetzt spielen wir sie an die Wand, das ist wirklich stark. Das hätten wir auch von Anfang an so machen können“ kommt es vom Bierbauch, „wenn wir diesen aufrecht erhalten können, machen wir bestimmt noch ein Tor“. „Es sind ja noch ein paar Minuten“ fügt der Schlacks hinzu und ein Blick meinerseits auf die Stadionuhr verrät, dass wir noch genau 2 Minuten über haben.

Gerade fliegt wieder ein hoher Ball in Richtung gegnerisches Tor als der Torhüter rausgeflogen kommt und diesen kurz vor dem vor 5 Minuten eingewechselten Devic klärt. Der gefaustete Ball landet beim Spielmacher der Gegner und dieser spurtet los wie verrückt. Hinter uns wird das Schreckensszenario schon Wirklichkeit. „ NEINNEINNEINNEINNEIN, Stop, umtreten du Fotze“. Panikartig rudert die Glatze mit den Armen um sich und zwingt nicht nur uns sondern auch andere Tribünenbesucher sowie seine Freundin zum Ausweichen. Dabei scheint er seinen noch halbvollen Bierbecher in der rechten Hand vergessen zu haben und verteilt schön gleichmäßig das goldene Lebenselixier auf die Jacken und Fanschals der Umstehenden. Auf der anderen Seite des Feldes zeigt der sprintende Spielmacher seine Qualitäten und bringt den Ball mit einem gezielten Pass zum Außenstürmer. Der zieht nach innen und legt den Ball zurück auf den Spielmacher. Die völlig überforderten Innenverteidiger hatten sich nach dem vorhergehenden Pass komplett auf den Außenstürmer konzentriert und können den platzierten Schuss nicht mehr zuvorkommen. Unser Torwart springt katzenartig in die Schussrichtung des Balles und berührt diesen noch mit den Fingerspitzen seines Armes. Das laute „Klonk“ des rechten Pfostens lässt den gegnerischen und unseren Block aufstöhnen, der Ball geht in einen wunderbaren rechten Winkel wieder auf das Spielfeld und wird von einem zurückgeeilten Außenverteidiger völlig freistehend und ohne Bedrängnis zur Ecke geklärt. Der plötzliche Gegenangriff ließ meinen Puls enorm hochschnellen und ich schaue nervös auf die Anzeigetafel. Bitte nur den einen Punkt halten.

An der Seitenlinie hebt der vierte Offizielle just in diesem Moment die Anzeigetafel und kündigt damit eine 4-minütige Nachspielzeit an. Ich nehme noch einen kräftigen Schluck, während Simon und Jens mir dies nachtuen und Manfred uns zuraunt „4 Minuten, ich hoffe das geht gut“.