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Alles richtig gemacht

6 Mrz

Quelle: vfl-bochum.de

Quelle: vfl-bochum.de

Warum der Autor dieses Textes seine Prinzipien brach und dennoch alles richtig machte

Wer mag eigentlich Schönwetter-Fans? Jeder verspottet sie und doch gibt es viele von ihnen. Dennoch wage ich es zu behaupten, dass ich nicht zu dieser Spezies gehöre. Wenn es die Zeit zulässt, pilgere auch ich an die Castroper Straße – bei Wind und Wetter, bei Bayern oder Braunschweig. Und auch die Tabellenlage unserer heiß geliebten grauen Maus, tief aus dem Westen, schreckt mich selten vor einem Besuch der Ostkurve zurück.

Es ist Freitag, 20 Uhr. In einer halben Stunde geht es los: Flutlichtspiel gegen Dynamo Dresden. Gut 15.000 Zuschauer werden an diesem milden Abend ins Rewirpowerstadion strömen – die günstige Anstoßzeit in dieser Länderspielwoche lässt es zu. Auch ich mache mich auf den Weg. Schon aus drei Kilometer Entfernung hört man bereits die Bochumer Ostkurve skandieren – und auch die Dresdner Schlachtenbummler hallen durch die Innenstadt. Ein Blick nach Osten lässt die grellen Flutlichter erahnen.

Ich schaue auf die Uhr. 20:10 Uhr – mein Schritt wird schneller. In fünfzehn Minuten würde ich bei diesem Tempo da sein. Ich checke noch einmal mein Portmonee und tappe nach einem 10€-Schein – das passt. Um kurz vor halb neun habe ich mein Ziel endlich erreicht. Ich schelle, die Tür geht auf, Freunde begrüßen mich. Zwei Stunden später erfahre ich von der 0:2-Niederlage des VfL gegen die Freunde aus dem Osten – auch der altbekannt Zlatko Dedic hat getroffen. Welch eine Schmach, denke ich und öffne meine zweite Flasche Fiege, während ich bereits an das nächste Heimspiel denke. Dieses Mal habe ich alles richtig gemacht.

Neulich beim VfL…:Die Bayern dürfen das.

13 Dez

So, und jetzt wird mal Klartext gesprochen: Der VfL Bochum hat 1:5 gegen die Bayern verloren, und das auch noch zuhause. 0:3 hieß es schon in der Halbzeit und die Leistung war streckenweise indiskutabel. Eine Suche nach den Ursachen.

Wer im Stadion war, der wird bemerkt haben, dass sich die Enttäuschung der Bochumer Anhängerschaft in Grenzen hielt. Wenige Pfiffe, noch weniger Unmutsbekundungen von den Rängen. nur ein einziges Mal wollte die Ostkurve ihre Mannschaft kämpfen sehen. Stattdessen lachende Gesichter rund um das Rewirpowerstadion, nicht nur von Fans in rot-weißer Tracht. Anhänger des VfL scheinen sich mit Heimniederlagen gegen den FC Bayern abgefunden zu haben. Offenbar aber nicht nur die Anhänger, sondern auch die Spieler des VfL.

Ivica Olic bejubelt ein Tor - in Bochum darf er treffen. (Bild: kicker.de)

Ivica Olic bejubelt ein Tor - in Bochum darf er treffen. (Bild: kicker.de)

Aber warum ist das so? Na klar, die Bayern waren zu Gast in Bochum, und die dürfen fünf Tore schießen und drei leichtverdiente Punkte aus Bochum mitnehmen. Das ist beim VfL mittlerweile schon Tradition geworden. Es ist nahezu wie ein ungeschriebenes Gesetz – die Bayern kommen,nehmen drei Punkte mit und fahren wieder Heim. Der Respekt des VfL ist einfach zu groß. Selbst eingefleischte Bochum-Fans tippen auf den FC Bayern, wenn er zu Gast im Pott ist.

Ein Blick auf die Historie. Der letzte Heimsieg des VfL gegen die Münchener datiert vom 14. Februar 2004, als Peter Madsen den 1:0-Siegtreffer gegen die mächtigen Bayern markierte. Danach muss man schon etwas tiefer in den Annalen des VfL wühlen. Da stößt man auf den 11. Okotber 1985, als die Bayern mit 3:0 abgefertigt wurden. Dreimal war der legendere Stefan Kuntz zur Stelle – das waren noch Zeiten.

Einen Stefan Kuntz gibt es heute nicht in den Reihen des VfL. Einige Fußballfachmänner wittern in Zeiten von korrupten Fußballern sogar einen ganz großen Skandal. Man munkelt nämlich, dass Uli Hoeneß sich die Siege in Bochum einiges Kosten lässt. Für das 5:1 am gestrigen Samstag sollen beispielsweise 15.000 Weißwürstchen von Bayern ins Ruhrgebiet geflossen sein. Eine Wurst für jeden Bayern-Fan im Rewirpowerstadion. Die treuen Fans im Ruhrgebiet dürfen doch nicht enttäuscht werden. Anders kann man sich die miserabele Statistik gegen den Rekordmeister nicht erklären.

In Wirklichkeit sieht es aber so aus: Weißwürstchen gab es nur für die Journalisten in der Halbzeitpause. Auf dem Platz sah es aber so aus: die Bayern waren übermächtig und dem VfL in allen Belangen überlegen. Was Bochum zeigte, sah mehr nach einem Nichtangriffspakt aus, als nach Kampf und Leidenschaft, wie er im Abstiegskampf gefordert ist. Ivica Olic durfte vorne schalten und walten wie er wollte und die Badstubers, Lahms und Schweisteiger umkurvten die VfL-Abwehr phasenweise „wie im Trainingsspiel“, wie Phillip Heerwagen nach dem Spiel treffenderweise anmerkte. Selbst die Trikots der Bayern waren schöner.

Unter der Woche, im Vorfeld des Spiels fragte sich Bochums Trainer Heiko Herrlich noch, welches Gesetz vorschreibe, dass der FC Bayern drei Punkte aus Bochum mitnehmen dürfe. Die Antwort ist gefunden. Sie liegt bei Charles Darwin – „der Stärkere überlebt“, sagte er einst. In diesem Sinne –  Glück auf!