Tag Archives: Louis van Gaal

Was nun, Uli?

6 Mrz

 

 

9.38 Uhr morgens an der Säbener Straße steigt Louis van Gaal aus seinem Auto. Er wirkt trotz der Niederlage am Tag zuvor ruhig und geht ohne weitere Kommentare in die Geschäftsstelle des FC Bayern München.

Was am Sonntagmorgen da hinter verschlossenen Türen besprochen wird, fesselt die Fußballnation. Hat diese letzte Woche, die drei verloren Spiele gegen Dortmund und Hannover in der Liga und gegen Schalke im Halbfinale des DFB-Pokals, das letzte Vertrauen in Louis van Gaal zerstört?

Doch die Frage ist, was sollten die Bayern-Bosse nach van-Gaal machen? „Wer hat die die wenigstens guten Trainermöglichkeiten? –  Der FC Bayern!!“, möchte man da in alter van-Gaal-Meisterschaftsmanie schreien. Denn die Liste der potenziellen Ersatzkandidaten verhält sich in Bezug auf ihre Länge reziprok zur realen Umsetzbarkeit und stellt Uli Hoeneß,  Karl-Heinz Rummenigge und Christian Nerlinger vor ein echtes Dilemma.

Wenn man sich einmal die Alternativen auf dem Trainermarkt anschaut, so kommt man zwangsläufig an den zuletzt entlassenden Bundesligatrainern Ralf Rangnick und Christian Gross nicht vorbei. Beide haben durchaus erfolgreiche Zeiten in ihren Trainerstationen vorzuweisen, Gross war sogar in der Schweiz viermal Meister und Pokalsieger mit dem FC Basel. Doch dass diese beiden Trainer in das Anforderungsprofil des Rekordmeisters passen, darf bezweifelt werden. Beide verfügen nicht über die geforderte internationale Erfahrung und sind beides Trainertypen, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie nicht unbedingt mit besonders autoritären Führungsstilen der Vorstände klarkommen. Und Uli Hoeneß ist ein nahezu archetypischer Vertreter dieser Gattung.

Außerdem ist gerade Ralf Rangnick ein Trainer, der eher langfristig etwas aufbauen möchte und im Falle eines Scheiterns Gefahr läuft, dass seine Reputation beschädigt wird.

Eine andere Möglichkeit wäre die kurzfristige Verpflichtung eines Nationaltrainers nach dem Chealsea-London-Modell von 2009. Dabei könnte man auch gleich auf den passenden Trainer zugreifen, indem man Guus Hiddink für dieses kurzfristige Engagement gewinnt. Der erfahrene Trainer, der aktuell die türkische Nationalmannschaft in der Europameisterschaftsqualifikation betreut, hat diese schwierige Aufgabenkombination schon einmal geschafft und würde mit seiner internationalen Erfahrung gut zu den Bayern passen.

Das Gleiche gilt für Ottmar Hitzfeld. Immer wenn es beim FC Bayern in den letzen Jahren schlecht lief, wurden die Rufe nach einer Rückkehr des Erfolgstrainers laut. Allerdings befindet dieser sich aktuell in den Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung mit dem Schweizer Fußballverband und wird gerade deshalb wohl eher weniger Lust verspüren, sich zusätzlich noch eine weitere schwere Aufgabe aufzubürden. Außerdem muss der FC Bayern auch endgültig mit dieser Trainerära abschließen.

Und damit muss man sich schon fast mit den unmöglichen Alternativen beschäftigen, so wie Matthias Sammer oder Robin Dutt. Beides sind mit Sicherheit hervorragende Trainer, jedoch ist Dutt langfristig an Freiburg gebunden und gerade bei dem aktuellen Erfolg eher schwer loszueisen und Matthias Sammer hat nach der Posse mit dem HSV um den Sportdirektorposten sicherlich wenig Lust auf weitere Diskussionen mit DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger.

Ob dann der kurzfristig einzusetzende Hermann Gerland den Trainerposten für den Rest der Saison übernehmen möchte, darf auch bezweifelt werden. Er hätte schon früher diese Chance haben können und hat sie bisher immer ausgeschlagen.

Somit bleibt die Frage, ob Uli Hoeneß diesmal das Risiko eingehen kann, van Gaal zu entlassen. Denn die realen Alternativen sind rar gesät. Auch nahezu utopische Verpflichtungen sind nicht gänzlich ausgeschlossen, wie z.B. den seit seinem Engagement in Kasachstan arbeitslosen Felipe Scolari oder gar als letzte Rettung den Kaiser selbst. Er könnte mit seiner medialen Omnipräsenz vielleicht für eine kurze Zeit den entscheidenden Schub geben.

Und wenn alle Stricke reißen, dann kommt „van Guttenberg“.

Also, was nun Uli?

 

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Mainz wird das neue Leverkusen – wenn überhaupt

4 Okt

Die Mainzer Boyband: Nur ein "One-Hit-Wonder"? (Quelle: faz.net)

Die Mainzer Boyband: Nur ein "One-Hit-Wonder"? (Quelle: faz.net)

Die gegnerische Mannschaft aus Mainz könne Deutscher Meister werden, sagte er. Und dieser Mann ist nicht irgendjemand, sondern Louis van Gaal, der hochdekorierte Trainer des FC Bayern, (bis vor kurzem) das Nonplusultra des deutschen Vereinsfußballs. Was sollte er auch anderes sagen, dieser Louis van Gaal, nachdem die Rheinhessen seine Immer-aufs-Neue-Meisterkandidaten besiegt hatten? Mittlerweile hat der FSV Mainz 05 auch noch Hoffenheim bezwungen und mit sieben Siegen zum Saisonauftakt den Startrekord eingestellt. Das Wunder von Mainz scheint tatsächlich Formen anzunehmen…

…doch halt! Ein Blick in die jüngere Bundesliga-Geschichte relativiert die FSV-Serie. Nachdem der 1. FC Kaiserslautern 2001 mit sieben Siegen rekordverdächtig gestartet war, setzte es am achten Spieltag eine bittere Pleite, 0:2 beim Tabellenschlusslicht VfL Wolfsburg. Will sagen: Die nächste Niederlage kommt bestimmt und meistens genau dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Da dürften auch die Mainzelmännchen keine Ausnahme machen. Zumal die 05er durchaus noch Baustellen in der Mannschaft haben, auf die niemand achtet, weil nebenan die Kirmes tobt:

  • das Tor: Christian Wetklo schlägt sich im Mainzer Kasten super. Genau wie zuvor der angestammte und derzeit verletzte Keeper Heinz Müller. Es dauert nicht mehr lange, dann kommt Heinz Müller zurück. Zwangsläufig muss das sicher keine Unruhe in die Mannschaft bringen. Aber in pures Wohlgefallen wird sich diese Situation nicht auflösen. Denn Müller (32 Jahre alt) und Wetklo (30) sind einfach zu alt und zu gut, um sich anstandslos mit der Ersatzbank anzufreunden.
  • die Innenverteidigung aus Bo Svensson und Nikolce Noveski hat bisher noch nicht nachgewiesen, dass sie zur Bundesliga-Spitzenklasse gehört.
  • die jugendliche Abteilung Attacke: André Schürrle (19), Lewis Holtby (20) und Adam Szalai (22) sind derzeit zwar in hervorragender Verfassung. Es wäre jedoch absolut unüblich, würden sie sich nicht auch die eine oder andere Auszeit in der Saison nehmen, von Verletzungspech ganz zu schweigen. Dann wird es sich rächen, dass ein Andreas Ivanschitz offenbar nicht mehr in startelfwürdiger Form, und Aristide Bancé verkauft ist.
  • Trainer Thomas Tuchel (Quelle: faz.net)

    Trainer Thomas Tuchel (Quelle: faz.net)

    der jugendliche Trainer: Nicht umsonst hatte der unbestrittene Fußball-Fachmann Ralf Rangnick Interesse am Coach Thomas Tuchel (37), lange bevor Letzterer Dauer-Jubler an der Mainzer Seitenlinie wurde. Nicht dass sich der Trainer-Youngster Tuchel darüber selbst irgendwelche Illusionen machen würden – dafür wirkt er viel zu bodenständig: Aber wie Negativerlebnisse seinen „Matchplan“ beeinflussen, kann man bisher kaum beurteilen.

Kurzum: Es deutet vieles darauf hin, dass Mainz – wenn überhaupt – das neue Leverkusen wird. Bayer Leverkusen wurde vergangenes Jahr mit entzückendem Fußball Herbstmeister, im Jahr davor Hoffenheim auf dieselbe Weise. Am Bayer-Werk und im Kraichgau folgten jeweils sehr dürftige Rückserien – weil der Kader qualitativ nicht breit genug aufgestellt war, und den jungen Spielern ein Stück weit die Puste ausging. Mainz ist noch nicht einmal so weit wie die Werkself 2009 und die TSG 2008, wieso also vom Titel reden?

Der FCK wurde am Ende besagter Startrekord-Saison übrigens Siebter.

Alaba, oho! Alaba, oho!

18 Mrz

Die in der Überschrift dieses Artikels niedergeschriebenen Zeilen wird der ein oder andere Fußballfan zu hören bekommen, wenn er demnächst das Stadion des FC Bayern München besuchen wird. Doch auch in anderen Arenen der Republik, da bin ich mir ganz sicher, wird Bayern Münchens Youngster David Alaba mit diesen Sprechchören gefeiert werden. Man kann gar nicht anders, als diesen 17-jährigen Fratz lieb zu haben.

Kleiner, süßer Fratz des FCB - David Alaba (Bild: fussball.de)

Kleiner, süßer Fratz des FCB - David Alaba (Bild: fussball.de)

Das haben auch die hohen Tiere des FC Bayern erkannt und Alaba in diesen Tagen einen Profivertrag angeboten.

Hier noch einmal zur Erinnerung: David Alaba trägt den Titel des jüngsten je eingesetzten Spielers einer österreichischen Nationalmannschaft ( Debüt in der A-Nationalmannschaft mit 17 Jahren und 122 Tagen) und ist zudem jüngster eingesetzter Spieler des FC Bayern in DFB-Pokal (17 Jahre, 232 Tage) , Bundesliga (17 Jahre, 232 Tage) und Champions-League (17 Jahre, 256 Tage). 

Profivertrag zum 18. Geburtstag

Ein wahres Juwel also, dieser David Alaba. Dabei mochte der Österreicher mit phillippinisch-nigerianischen Wurzeln den FC Bayern als Jugendspieler nicht besonders. Die hätten sich auf Jugendturnieren immer feiern lassen. Nun jedoch hat Alaba seinen ersten unterschriftsreifen Vertrag vorliegen, den er am am 24. Juni 2010 unterzeichnen wird. An seinem 18. Geburtstag.

Dazu beraten wurde Alaba von seinem Vater George, der in den 90er Jahren als Rapper der Gruppe „Two in One“ auf Platz zwei der österreichischen Charts landete. „Ich habe noch keinen Berater genommen. Man muss da sehr vorsichtig sein.“, verrät George in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Afrikanische, asiatische und österreichische Tugenden

Auf und neben dem Platz wirkt David Alaba stets ehrgeizig und willensstark. Tugenden, die er von seinem Vater erlernte, der gebürtige Nigerianer ist. Von seiner phillippinischen Mutter scheint der Linksverteidiger den Respekt für seine Mitmenschen geerbt zu haben. Kein Wunder, wenn er beim berühmten Bayern-Bankett nach einem Champions-League-Spiel als einziger Spieler für Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer applaudiert. Ergänzt werden Alaba’s Tugenden durch seine österreichische Disziplin, die er auf dem Platz an den Tag legt. Akribisches halten der Positionen sind für Alaba eine Selbstverständlichkeit. Da wird auch mal ein Franc Ribery angeschrieen, wenn dieser seine Position nicht einhält.

Vertrauen in Jugendspieler

Trainer Lois van Gaal hält große Stücke auf den waschechten Wiener Alaba.  „Ich mache das, weil ich sehr viel Vertrauen in die Spieler habe“, rechtfertigt Bayerns Trainer die Einberufung von A-Jugendspielern wie Badstuber, Contento und eben Alaba in den Profikader des großen FCB. Und das Vertrauen wurde bisher noch nicht missbraucht. Bei seinem ersten Champions-League-Spiel von Beginn an in Florenz hatte Alaba sogar die meisten Ballkontakte aller 22 Spieler auf dem Feld. Kein schlechter Wert für einen 17-jährigen Grünschnabel.

Österreichs Spielerlegende und Ex-Bayernprofi Andreas Herzog bezeichnet Alaba als „Segen für den österreichischen Fußball“. Nicht nur für Österreich ist der gebürtige Wiener mit dem Wiener Akzent ein Segen, sondern für den ganzen Fußball. Und schon bald wird man bei den Auftritten des leichfüßigen Linkfußes die Sprechchöre hören: „Alaba, oho! Alaba, oho!

Der Ausbruch des Louis van Gaal – oder warum jeder Fussball Fan auch Trainer sein könnte

22 Feb

Es geschah am letzten Samstag, ca.  17:30, easy-credit-stadion zu Nürnberg. Die Bayern, die in den letzten Wochen einen überaus schönen und erfolgreichen Fussball boten, mussten sich gegen den Club aus dem Frankenland mit einem Unentschieden zufreiden geben. Hauptsächlich weil der ehemalige Bochumer Gündogan vor Butt nicht in Ehrfurcht erstarrte, mit seinem ersten Bundesligator den Ausgleich für sein Team erzielte und seinen Trainer Hecking auf die Frage nach seinen Qualitäten zu der Antwort brachte: „Er hat jetzt ein Bundesligartor mehr als sein Trainer, das ist scheiße!“

Allerdings sind das wieder nur Randnotizen. Den eigentlichen Aufreger aber lieferte wieder der Trainer der Bayern Louis „arrogant, selbstbewusst“ van Gaal. Als ein Reporter von Sky den Trainer fragte, ob die Bayern nicht mit halber Kraft gespielt hätten, beschwerte er sich über diese Frage und stellte den Bayern eine der besten Leistungen der Saison aus. Um in der Pressenkonfernez noch nachzulegen und dem versammelten Journalismus -Publikum „keine Ahnung von Taktik und Fussball zu haben“, da sie es ja nicht studiert hätten.

Hatte mal wieder seine ganz eigene Sicht - Zu Recht? Quelle: bild.de

Hatte mal wieder seine ganz eigene Sicht - Zu Recht? Quelle: bild.de

Und irgendwie hat er damit Recht. Ich glaube ich kenne keinen Beruf, indem Leute (Fans wie Medien) meinen es besser zu wissen, als der Mann der seine Mannschaft unter der Woche jeden Tag sieht, alle Strömungen registriert, über den Zustand Bescheid weiß wie kein anderer, der sich wahrscheinlich schon sein ganzes Leben theoretisch und praktisch mit dem Sport beschäftigt. Das ist paradox. Ich würde ja auch nie auf die Idee kommen meinem Zahnarzt zu sagen, wie er meine Schmerzen behandeln soll, oder ihm mittzuteilen, dass seine Arzthelferin Nummer eins heute nur halbherzig arbeitet, oder ihn zu Fragen ob er die Sprechstundenhilfe nicht auf einer anderen Position stärker einschätzt als vorne an der Theke. Bei Fussball-Trainern hätte ich da gar kein Problem. Aber ich kann auch nicht erklären woran es liegt. Unter der Woche schaue ich gerne ein paar Fussballspiele, informiere mich über die Teams und denke dann ernsthaft ich könnte einige Entscheidungen der Trainer kritisieren.

Aber mal ehrlich, dass ist doch genau eine der Sachen die den Fussball so wunderbar machen. Es sind 50 000 Leute im Stadion und der, der am wenigsten Ahnung hat ist immer der Trainer. Und mal ganz ehrlich, wenn Louis van Gaal wirklich am Samstag die stärkste Saisonleistung seiner Mannschaft gesehen hat, dann sollte man ihm seinen Abschluss der Sportwissenschaften wieder wegnehmen.