Die Fußballtherapie – 2. Halbzeit

24 Mrz

Quelle: http://www.google.de/imgres?q=rote+karte+bochum&um=1&hl=de&sa=N&biw=1600&bih=771&tbm=isch&tbnid=7xx4MLYyeqRauM:&imgrefurl=http://www.tsv1860.de/aktuell/news/dfb-pokal-achtelfinale-loewen-aus-nach-vallori-platzverweis&docid=3kaUrOitQxzgWM&imgurl=http://www.tsv1860.de/files/file_931/Vallori_Rot_490.jpg&w=490&h=350&ei=vVJPUeObMpDL0AWRnoH4Dg&zoom=1&iact=rc&dur=323&page=1&tbnh=147&tbnw=229&start=0&ndsp=28&ved=1t:429,r:20,s:0,i:151&tx=59&ty=51

Die gegnerische Mannschaft nutzt den Anstoß um den Ball aus dem Mittelkreis zurück zur Abwehr zu schieben und langsam ihren Angriff aufzubauen. Unsere Mannschaft spielt nun auf das Tor vor dem Heimfanblock, was uns Anlass zur Hoffnung und Sorge gibt. Hoffnung, dass wir hier jetzt die Tore sehen werden, Sorge, dass wir praktisch nichts mehr sehen. Ein plötzlicher Fehlpass auf dem Weg nach Vorne sorgt für eine gute Kontersituation. Mit schnellen präzisen Pässen wird das Mittelfeld überwunden. Ikui kommt über die linke Seite, dribbelt dort überragend den Rechtsverteidiger der Gegner aus und legt den Ball flach in die Mitte an den Rand des 16er-Kreises. Unser sonst so bewegungsfauler Spielmacher „Miracolli“-Frederico läuft in für ihn überagendem Tempo und setz mit einem gezielte Schuss den Ball knappe 8-9m über die Latte.

Dieser ernstzunehmende Torschuss unserer Mannschaft löst im Fanblock pure Begeisterung aus. Waren die Fans in den ersten Minuten noch ganz ruhig und bangten, ob den die Mannschaft den Weg zurück ins Spiel finden würde, waren sie jetzt Feuer und Flamme. „Kämpfen! Kämpfen!“ rufen sie voller Inbrunst. Fredericos Reaktion auf die unerwarteten Anfeuerungen ist ein kurzer Daumen nach Oben. Alles ok. Der Fuß ist nicht überlastet vom ersten Schuss.

„Da hat der Trainer anscheinend die richtigen Worte in der Kabine gefunden. Die Mannschaft ist wie ausgewechselt“, wackelt der Bierbauch. Der Schlacks nickt, klatscht weiter in die Hände. Mr „Fotze“ grölt indessen mit dem Rest des Blocks euphorisch die immer neue Anfeuerungsrufe.

In den nächsten zehn Minuten passiert praktisch nichts. Frederico scheint mit der bisherigen Leistung zufrieden zu sein und spaziert fröhlich über den Platz. Seine überragende Leistung untermauert er mit kurzen Sprints über 1-2 Meter. Als er versucht einen Ball zu erlaufen überholt ihn ein gegnerischer Mittelfeldspieler, der beim Start noch 3 Meter entfernt war. Es sieht ein bisschen aus als würde Schumacher gegen eine Schnecke ein Rennen fahren.  Einzig der Mannschaftskapitän Dabrawski versucht so etwas wie Offensivbemühungen zu zeigen.

Eine überaschende Balleroberung bringt den nächsten Angriff. Dabrawskis Pass auf den Stürmer Aydir, mit einer nie dagewesenen Genauigkeit, nutzt der Stürmer um den Ball vor den Strafraum zu tragen. Einer der drei dort postierten Abwehrspieler, die Nummer 3, geht rustikal zu Werke und bringt Aysir zu Fall. Der Block tobt, alles schreit „FOUL“ gemischt mit einem „Fotze“, der Schiedsrichter eilt herbei. Ein zweiter Abwehrspieler, die Nummer 5, steht über dem auf dem Boden sich wälzenen Aydir und scheint diesem eine Schwalbe vorzuwerfen. Der Mann in Schwarz trennt die beiden Spieler und zieht für das Foul zur Vereitelung einer klaren Torchance die rote Karte. Der gegnerische Abwehrspieler mit der Nummer 5 wird des Feldes verwiesen. Alle Spieler der Mannschaft scharen sich um den Schiedsrichter und reden auf ihn ein. Dieser scheint jedoch den Irrtum nicht einzusehen und verteilt weiterhin fleißig gelbe Karten fürs Meckern.

Der Fanblock nimmt dies belustigt zur Kenntnis und ruft: „Schick Sie alle runter, Sie habens verdient“. „Fotze, gib allen rote Karte, Schirifotze“ ist der, wie immer eloquente und fachgerechte, Beitrag des rhetorisch begabten Glatzkopfes.  Vielleicht sollte er für den neuen NewKids-Film vorsprechen.

Unser kleines Grüppchen ist jedoch von den Szenen auf dem Platz eher verwirrt. Haben wir irgendwie das offensichtlich von Spieler Nummer 3 begangene Foul dem Falschen zugeschrieben? Fröhlich glucksend tönt vom Schlacks „Absolut richtige Entscheidung, klare rote Karte. Ein solches Einsteigen ist gesundheitsgefährdend“. Der Bierbauch wackelt mit dem Doppelkinn zustimmend. Seine Freude manifestiert sich nun deutlich im Gesicht, welches rot wie eine Ampel leuchtet. Vielleicht aber auch eher ein Resultat des Bierkonsums.

Auf meiner anderen Seite ist die Diskussion passender zu meiner Wahrnehmung, jedoch herrscht Unsicherheit über unser aller Aufnahmefähigkeit. Jetzt schon zu viel Bier? Manfred grabscht in die linke Seitentasche seiner Hose um seinen elektronischen Apfel zutage zu fördern, nicht ohne vorher noch deutlich mit einem ordentlichen Taschenbilliardsstoß eine Kugel zu versenken. Seine Daumen wandern über den Display des elektronischen Apfels um in einem Livetext einer Sportwebsite eine Erklärung zu finden. Nur wenige Sekunden später zeigt ein lautes „Ha“, dass er fündig geworden ist. „Der Schiri ist wirklich ne Pfleife! Hat der doch glatt den falschen Spieler vom Platz gestellt“.

Ein Raunen geht durchs Stadion, welches uns zu erkennen gibt, dass wir den aus dem Foul resultierenden Freistoß von Frederico verpasst haben. Diesmal schien es wirklich knapper gewesen zu sein, was ich aus dem Kommentar des Schlacks „Das war aber knapp“ gekonnt schließe.

Das Spiel nimmt nun durch die rote Karte eine völlig neue Wendung. Unsere Mannschaft spielt nun scheinbar befreit auf und kommt immer wieder aus der eigenen Hälfte über die Mittellinie. Meist ist da zwar Ende, was den Fanblock aber nicht davon abhält immer frenetischer zu rufen. Plötzlich rutscht unser rechter Verteidiger Klöppin aus und lenkt den eigentlich platzierten Pass direkt auf den gegnerischen defensiven Mittelfeldspieler. Dieser hat aber den sich hinter ihm ausruhenden Frederico wohl leichtsinnig als gefahrenlos eingestuft und mit seiner unnachahmlichen Technik nimmt dieser ihm den Ball ab, dreht sich dabei wie Neo in der Matrix um die eigene Achse und hat plötzlich nur noch die beiden Verteidiger und Aydir vor sich. Selbst von der Tribüne aus ist zu sehen, wie es in ihm arbeitet. Soll er sich nun in Bewegung setzen oder direkt passen. Die Entscheidung fällt für Zweiteres. Ein tatsächlich perfekter Pass direkt über die Verteidiger hinweg wird von dem schnellen Aydir kurz vor der Sechzehnergrenze abgefangen. Der folgende Schuss erwischte den herausstürmenden Torhüter auf dem falschen Fuß, hatte dieser doch mit einem richtigen Torschuss gerechnet. Doch Aydir hatte gekonnt direkt auf den Torhüter geschossen, der seinen Kopf nicht mehr zum Ball bringen kann und im Fall zwischen linkem Ohr und Arm in die Maschen fliegt.

Die Reaktion der Ostkurve lässt nicht lange auf sich warten und folgt wie die Verzögerung eines Donners auf den Blitz. Alle liegen sich in den Armen, Mr „Fotze“ schmeißt seine Freundin, oder in welchem Verhältnis die beiden Personen auch immer stehen mögen, in die Luft, sodass sie beinahe auf Simon landet. Wie schlagen uns gegenseitig ab als hätten wir die Bude selbst geschossen und stoßen mit dem noch vorhandenen Bier an. Ein Blick auf die Stadionuhr zeigt, dass noch 10 Minuten zu spielen sind und uns gegebenenfalls eine spannende Schlussphase bevorsteht.

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