Die Fußballtherapie – Vorbereitung

4 Mrz

Wie an jedem zweiten Wochenende steht natürlich auch an diesem wunderschönen Samstag ein Bundesligaspiel bei der Spitzenmannschaft aus der Nachbarschaft an. Da das Spiel seit der letzten Saison leider nicht mehr um 15:30 Uhr, sondern schon um 13:00 Uhr angepfiffen wird, habe ich meinen Tagesablauf dementsprechend angepasst und stehe bereits um 11 Uhr auf. Man ist ja Profi.

Um den Zeitaufwand möglichst zu begrenzen, spritze ich mir mit beiden Handflächen etwas Wasser ins müde Gesicht. Nachdem ich im Spiegel gecheckt habe, ob ich es denn noch wirklich bin, schmeiße ich mich in eine alte Jeans, ein ausgeleiertes Shirt und ziehe noch einen dicken Fließpulli drüber. Danach schwing ich mir noch schnell meinen Fanschaal um den Hals und mache mich so auf den Weg zum Frühstück.

Frühstück nimmt man an einem Fußballsamstag vor der nächsten Frühstücksbude ein. Von dem nächst besten Etablissement trennt mich lediglich eine 10-minütige U-Bahnfahrt auf der ich mir die verwirrten Leute anschaue, die auch schon zu so einer frühen Zeit auf dem Weg ins Stadion sind. Schnell merke ich was fehlt. Ich hab mein Bier zuhause stehen lassen. Schei**.

Halb so wild, schließlich gibt es an der Frühstücksbude auch was zum „Kehle kühlen“. Nachdem ich die weiten 300m von der Haltestelle zum Frühstücksstand bewältigt habe, bestell ich mir ein leckeres Brötchen. Als Beilage gibt es Currywurst. Und Pommes rot-weiß. Versteht sich von selbst. Das Ganze wird mit dem regionalen Bier runtergespült. Fertig. Gestärkt begebe ich mich auf die Zielgerade in Richtung Stadion, wohl wissend was mich erwartet.

Auf dem Weg koordiniere ich per SMS einen Treffpunkt an „ der Mauer hinterm Stadion“ um die übliche Stadionclique zu treffen. Etwas gestresst steige ich aus der Bahn, die ich noch kurzfristig erwischt habe und mache mich auf, besagte Mauer zu suchen. Sofort entdecke ich die Crew. Jens und Simon stehen beide schon mit einem Pils bewaffnet vor dem Stadioneingang und winken mit den gerade erstandenen Tickets.  „Da haste dein Ticket. 9 Euro macht das“. Ich schaue Jens verdutzt an. Normalerweise kostet das Ticket ermäßigt nämlich einen Euro weniger. „Spitzenspiel“ grunzt Simon und zuckt mit den Schultern. Ich studiere die Eintrittskarte. Aha, verstehe. Wir spielen gegen den fast insolventen „Hastenochniegehörtweilamarschderwelt-Verein“. Naja, ist halt nicht wirklich Bundesliga.

Ich will gerade losstiefeln, als Simon mich am Arm festhält. „Warte noch,  Manfred wollte auch noch kommen.“ Ich nicke. Also warten wir. Ich werde langsam durstig. Ich signalisiere mit einem Fingertipp auf meine imaginäre Uhr, dass es Zeit wird. Schließlich möchte ich mich nicht an dem völlig überfüllten Bierstand anstellen. Ist ja immerhin ein Spitzenspiel. Da werden mindestens 100 Leute mehr ins Stadion kommen. Weil Sie hoffen das unser Verein auch mal ein Spiel gewinnt. Ein Topspiel. Auch wenn es gerade eher um den Abstieg geht.  Topabstiegsspiel nennt Jens das. Marketingwitz nennt Simon es.

Wenige Minuten später taucht Manfred auf. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht läuft er lässig auf uns zu, klatscht jeden einmal ab.“Na, heute gewinnen wa!! Wat tipp ter?“

Aufgrund der üblichen Sorge übersteigen die Ergebnisabstände alle ziemlich genau ein Tor. Natürlich wird immer für unseren Verein getippt. Niemand möchte sich als Pessimist outen. Und niemand möchte das gleiche Tippen wie der andere. Also tippen wir 1:0,2:1:3:2 und 5:0. Manfred ist etwas übermütig. Er hat die Nacht noch gearbeitet und ist anscheinend voll auf Kaffee. Wollte das Spiel nicht verpassen. Ist ja ein Topabstiegsspiel.

Bevor wir uns auf die wunderschönen 30 Jahre alten Betontribünen begeben, decken wir uns noch schnell mit Pils ein. Auch hier kommt das Topspiel durch. Leider kein Rabatt. Aber egal. Wer weiß wie das Spiel wird. Sicher ist sicher und nüchtern lässt sich das eher selten ertragen.

Der zweite Teil folgt am nächsten Sonntag.

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