Superclásico – das Heißeste was Argentinien zu bieten hat.

21 Mrz

(Quelle: hastalogolsiempre.files.wordpress.com)

Das Superclásico ist die Bezeichnung für das Derby zwischen den beiden argentinischen Fußballklubs Club Atlético Boca Juniors (CABJ) und Club Atlético River Plate. Das Stadtderby der beiden bekanntesten argentinischen Vereine aus der Hauptstadt Buenos Aires hat einen extrem hohen Stellenwert in beiden Fanlagern und sorgt immer wieder für emotionsgeladenen Begegnungen mit viel Spannung und zieht oftmals unrühmliche Schlagzeilen durch Gewaltaktionen der Fans nach sich. Die Partie gilt neben dem „Old Firm“ als das bekannteste Fußballderby der Welt und wurde von der englischen Wochenzeitschrift „The Observer“ als das erlebnisreichste Sportereignis der Welt gewählt. Außerdem gehört es mit zu der Liste der 50 Ereignisse die ein Mensch vor dem Übergang in ein „besseres Leben“ miterlebt haben muss.

Die beiden Clubs verbindet der gleiche Ausgangspunkt in ihrer Gründungsgeschichte. Beide Klubs wurden im Stadtviertel La Boca in Buenos Aires gegründet. River Plate wurde am 25.Mai 1901 gegründet um den „Königssport zu betreiben, 4 Jahre später, am 3.April 1905 wurde der Verein Boca Juniors von italienischen Immigranten ins Leben gerufen. Beide Fanlager sprechen aufgrund desselben Ursprungs auch dieselbe Sprache, einen italienischen Dialekt. Als die erste Partie am 24.August 1913 mit einem 2:1 für River endete, war die große Rivalität noch nicht absehbar.

Diese begann in den 30er Jahren, als River Plate, nachdem der Klub mehrere Male schon umgezogen war, sich im Stadtteil Nuñez niederließ, dem Reichenviertel von Buenos Aires. Fortan galten die River-Fans als die Reichen und die Boca-Fans als die Armen.  Der Verein River Plate erhielt den Spitznamen Los Millionarios, welcher aufgrund von einigen Transfers aufkam, die River mit Gold bezahlte. Gerade dieser brisante Umstand in einem Land wie Argentinien, das mit einer starken sozialen Kluft zu kämpfen hat, entwickelte sich das Derby zu einem Kampf zwischen der Oberschicht (River) und der Arbeiterklasse (Boca).

Ein weiterer Faktor ist die Dominanz der beiden rivalisierten Clubs in den 20er bis 40er Jahren im argentinischen Fußball.

Und auch die Farbenwahl war ein Streitthema. Angeblich soll noch vor dem ersten dokumentierten Derby im Jahr 1907 ein Spiel um die Vereinsfarben stattgefunden haben, dass River gewann. Fortan durften sie rot und weiß tragen, während Boca mit blau und gelb vorlieb nehmen musste, was die Farben eines schwedischen Schiffes waren, das zu dieser Zeit im Hafen lag.

Durch die Rivalität achteten beide Clubs sehr darauf, sich von dem anderen abzusetzen, sodass völlig unterschiedliche Spielweisen entstanden sind. Die River-Fans erwarten große Ballkünstler in ihren Reihen, die eine große Show bieten. Die gegnerischen Spieler sollen getunnelt und ausgetrickst werden und so die Fußballwelt zum Staunen bringen. Die Hauptphilosophie ist das direkte Weiterspielen des Balles, was zu ein Markenzeichen geworden ist. Die Fans der Boca Juniors wollen hingegen Spieler, die einen hohen Kampfgeist haben, die vor allem aufopferungsvoll, hartnäckig und mutig auftreten. Die Boca-Fans bezeichnen die River-Spieler als „Tänzerinnen, denen die Luft ausbleibt, wenn das Spiel männlich zur Sache geht“

Das erste Superclásico in der argentinischen Profiliga Primera División fand am 20. September 1931 statt. Dieses Spiel wurde abgebrochen, weil die Spieler von River Plate sich weigerten das Spiel fortzusetzen, nachdem bereits drei Mitspieler des Feldes verwiesen worden waren. Seitdem begegneten sich die beiden Vereine in 321 offiziellen Partien und davon alleine 184 Begegnungen in der Liga,  von denen 68 Boca  und 61 die Millonarios gewannen, 55 gingen unentschieden aus. In diesen Duelle fielen insgesamt 498 Tore (Boca 255/ River 243), was einem Schnitt von 1,55 Toren pro Spiel entspricht. Der höchste Sieg von 5:1 gab es dreimal, zweimal gewann Boca, einmal River Plate. Erfolgreichster Derbytorschütze ist Ángel Labruna mit 16 Toren für River Plate. Der einzige Trainer, dem das Kunststück gelang, mit beiden Vereinen Meister zu werden, ist Alfredo Di Stéfano. Er holte 1969 mit Boca Juniors den Titel und 1981 mit River Plate. Kurios ist, dass in den 50er Jahren dem Spieler Norberto Menéndez mit beiden Vereinen jeweils drei Titelgewinne gelangen.

Egal ob im La Bombonera (Boca) oder im Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti (River) gespielt wird, es ist immer spannend. Die Vorfreude versetzt das ganze Land schon Wochen vorher in den absoluten Ausnahmezustand. In Argentinien zählen 39 % zu den Boca-Anhängern und 33% nennen River Plate als ihren Lieblingsclub. Die Boca-Fans werden als „Bosteros“ bezeichnet, was eine Anspielung auf die gleichnamigen früheren städtischen Bediensteten ist, die für das Aufsammeln von Pferdekot zuständig waren. Dafür werden die River-Fans als Feiglinge tituliert und „Gallinas“ (Hühnchen) genannt. Die beiden größten Fanorganisationen sind bei den Bocas die „La Doce“ (der zwölfte Mann) und von River die „Los Borrachos del Tablón“ (Die Besoffenen von der Theke). Das Spiel ist auch aufgrund der enormen Lautstärke, die von den Fans erzeugt wird, so berühmt.

Nicht nur für die Fans war und ist der Superclásico das Spiel der Spiele. Diego Maradonna hatte sich extra für sein Karriereende ein Superclásico ausgesucht und meinte: „Ich war schon bei der Partie FC Barcelona – Real Madrid dabei, die sehr wichtig ist, weil zwei Riesenstädte dahinter stehen. Aber Boca –River, das ist etwas anderes. Das ist, als würde man mit Julia Roberts schlafen.“

Aufgrund der starken Rivalität, die zwischen den beiden Clubs und ihren Fangemeinschaften herrscht, kam es immer wieder zu vielen Tragödien. Die größte ereignete sich am 23.Juni 1968 im El Monumental, als 74 Menschen starben und über 150 verletzt wurden. Die Massen versuchten das Stadion panikartig zu verlassen, obwohl die Ausgänge noch geschlossen waren. Der Auslöser waren einige Boca-Fans, die brennende Zeitungen in die Menge geworfen hatten.

Ein anderes tragisches Ereignis, den Tod zweier River-Fans, soll der Boca-Anführer Miguel Baritta nach einer 2:0 Niederlage im April 1994 in Auftrag gegeben haben. Eine zynische Bemerkung eines vermummten Boca-Anhängers dazu lautete schlicht: „Empatamos – Wir haben zum 2:2 ausgeglichen“. Zwei Jahre später wurden wieder zwei Fans ermordet, vermutlich wieder im Auftrage Barittas.

1997 rächten sich die Fans von River an den vielen Brutalitäten und stahlen die berühmten Fahnen der Bocas während eines Superclásicos aus dem La Bombonera.

Der Höhepunkt der Gewalt wurde 2002 erreicht, nachdem ein 14-jähriger Junge ums Leben kam. Danach riefen die Anhänger zum „Frieden in den Stadien“ auf. Daraufhin hat sich die Lage etwas beruhigt.

Doch immer noch bedarf es eines starken Polizeiaufgebotes um die Fans teilweise zu beruhigen und in Schach zu halten. Oftmals muss die Polizei Gummigeschosse einsetzten.

Zuletzt feierten die Bocas abwechselnd nationale und internationale Erfolge, während River besonders in den nationalen Wettbewerben erfolgreich war.

Das Derby zwischen den Boca Juniors und River Plate gilt zu Recht als eines der spannendsten Begegnungen aller Zeiten und fesselt immer wieder aufs Neue die Fußballwelt.

Einen guten Eindruck gibt auch diese kurze BBC-Reportage

oder diese Reportage:

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2 Antworten to “Superclásico – das Heißeste was Argentinien zu bieten hat.”

  1. Matthias 19. Mai 2011 um 09:08 #

    Sehr schöner Artikel !!
    Nur stört mich (als River-Fan) das Video ein bisserl, da es sehr einseitig aus Boca Sicht schildert. Hätte sich der Reporter mal bei nem Heimspiel von River Plate in die Kurve gesetzt, wär das sicher nicht weniger beeindruckend gewesen.
    Aber gut, wie zu Beginn erwähnt wird, ging es hier ja scheinbar um den Stadtteil „La Boca“…
    😉

    • sascha198 19. Mai 2011 um 10:49 #

      Hi Matthias,

      vielen Dank für das feedback. Kann das gut nachvollziehen. hab deshalb nochmal eine etwas kürzere, dafür aber ausgeglichenere Reportage dazugestellt.
      Wenn du eine noch bessere findest, auch gerne eine, die eher die Riversicht zeigt, würde ich auch dieses mit in den Artikel aufnehmen.

      Viele Grüße
      Sascha

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