Sebastiàn Abreu – Der Verrückte

9 Jul

In Uruguay nennt man ihn einfach nur "El Loco" - der Verrückte. (Bild: telegraph.uk)

In Uruguay nennt man ihn einfach nur "El Loco" - der Verrückte. (Bild: telegraph.uk)

Was muss das für ein Kerl sein, der mit seinen fast 34 Jahren schon in sieben verschiedenen Ländern exakt zwanzig Mal den Verein wechselte. Es kann sich nur um einen Verrückten handeln, oder um Sebastián Abreu, in seiner Heimat Uruguay einfach nur „El Loco“ (der Verrückte) genannt.

Wir schreiben den 2. Juli 2010. Nach 90 Minuten Kampf, steht es im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 1:1 zwischen Uruguay und Ghana – es geht in die Verlängerung. Seit vierzehn Minuten befindet sich eben dieser Sebastián Abreu im Spiel. Uruguays Trainer Òscar Tabárez will mit der Einwechslung des momentan für Botafogo (Brasilien) spielenden Stürmers, Leben in den Angriff seines Teams bringen.

Es kommt aber wie es kommen muss. Auch nach 120 Minuten steht es noch 1:1. Der Rest ist schnell erzählt: Abreu tritt als letzter Schütze seines Teams an, er kann mit seinem Schuss den Weg ins Halbfinale klar machen und für die Sensation sorgen. Alles schaut auf „El Loco“. Der Schiedsrichter pfeift und Abreu wird seinem Namen gerecht, in dem er das Leder in die Mitte des Tores lupft, als hätte er jahrelang nichts anderes getan – welch eine verrückte Aktion!

Wer so abgeklärt ist, der muss in seinem Leben schon viel erlebt haben, so wie der 1,93m große Abreu. Sein Leben als Profi erzählt sich wie eine kleine Odyssee durch drei Kontinente. Seine Profikarriere begann Sebastian Abreu noch in Uruguay (Defensor Sporting Club), bevor er nach nur einem Jahr ins Nachbarland Argentinien zu CA San Lorenzo ging. Nach zwei Spielzeiten war auch dort Schluss, denn Abreu wurde vom spanischen Spitzenclub Deportivo La Coruna gelockt.

Nach nur 15 Einsätzen und drei Toren für „Depor“ ging es auf die große Reise. Gleich sechsmal liehen die Spanier ihren uruguayischen Stürmer aus und für Abreu folgten in fünf Jahren sechs weitere Stationen, unter anderem in Brasilien, erneut Uruguay und Mexiko. In letzterem Land hielt sich Abreu erstaunlich lange sieben Jahre auf, allerdings wiederum bei sechs verschiedenen Vereinen.

Im Jahr 2008 verließ Abreu noch ein letztes Mal Mexiko, um in Argentinien bei River Plate anzuheuern. Nach einem kurzen Intermezzo in Israel (Breitar Jerusalem), zog es „El Loco“ noch im selben Jahr zurück zu River Plate – drei Stationen in einem Jahr! Aber auch in Argentinien fand Abreu nicht sein Glück. Noch einmal ging es zurück nach Europa – erst als Leihgabe zum spanischen Club Real Sociedad, dann nach Griechenland zu Aris Thessaloniki, das ganze im Jahre 2009. Seine aktuelle Station befindet sich in Brasilien, genauer gesagt bei Botafogo FR. 

Ein Blick auf die Transferhistorie Abreus scheint somit den abgeklärten Elfer im Viertelfinale gegen Ghana in ein anderes Licht zu rücken. Diesen Mann haut nichts mehr um. Trotz seines zweifelsohne turbulenten Vereinsleben, scheint Abreu privat ein ausgeglichener Mensch zu sein. Mit seiner Frau Paola hat er vier Kinder – drei Buben, ein Mädel – die er auf aufgedruckten Fotos bei jedem Spiel auf seinem Unterhemd trägt.

Wenn es morgen Abend zum Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Uruguay im Spiel um Platz drei geht, dann wird Sebastiàn Abreu wohl zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. Forlan und Suarez heißen zur Zeit die gesetzten Spieler im Team der „Urus“, doch wenn es darauf ankommt, wird der tätowierte Mann mit den langen Haaren und dem Bart eingewechselt werden, um noch ein letztes Mal mit einer verrückten Aktion sein Team nach vorne zu schießen.

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