„Black Stars“ – ein Team ganz ohne Sternchen

22 Jun

Mannschaftliche Geschlossenheit ist die große Stärke der ghanaischen Nationalmannschaft, hier 2006 bei der WM in Deutschland. Foto: Peter Herrlich

In Afrika hat sich die ghanaische Nationalmannschaft als „Black Stars“ einen Namen gemacht. Fußball-Stars hat das westafrikanische Land schon zahlreich hervorgebracht. Abedi Pele (Jahrgang 1965, u.a. 1860 München), Anthony Baffoe (Jahrgang 1965, u.a. Fortuna Düsseldorf), Anthony Yeboah (vermutlich Jahrgang 1966, u.a. Eintracht Frankfurt, Leeds United) waren die ersten international bekannten Ballkünstler aus dem seit 1957 unabhängigen Land mit heute 24 Millionen Einwohnern. Alle drei genannten standen übrigens beim bisher einzigen Länderspiel der Ghanaer gegen die deutsche Nationalelf auf dem Platz, das Ergebnis im Bochumer Ruhrstadion lautete im April 1993 6:1 (0:1) für Deutschland.

In jüngerer Vergangenheit ragen Stephen Appiah (Jahrgang 1980, früher u.a. Juventus Turin), Sulley Ali Muntari (Jahrgang 1984), Ergänzungsspieler und Enfant terrible vom Champions-League-Sieger Inter Mailand, und Michael Essien (Jahrgang 1982, aktuell FC Chelsea) hervor. Durch Verletzungen und Blessuren aus dem Tritt gebracht, spielt dieses Trio entweder kaum oder gar keine Rolle bei der Weltmeisterschaft bei der ersten Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent  (Appiah, Essien) oder fällt bisher nur mit Eskapaden am Rande auf (Muntari).

Mannschaftliche Geschlossenheit

2010 kommen die „Black Stars“ nun also ganz ohne Fünf-Sterne-Deluxe-Spieler daher. Damit steht Nationaltrainer Milovan Rajevac sicher weniger individuelle Klasse zur Verfügung als anderen Nationalcoaches. Andererseits ist die gute Organisation und die mannschaftliche Geschlossenheit charakteristisch für dieses ghanaische Nationalteam, das es sogar schaffte, „Bad Boy“ Kevin-Prince Boateng innerhalb weniger Tage zu integrieren. Der einzige, der neben Boateng beim laufenden Turnier sportlich aus dem ghanaischen Kollektiv heraussticht, ist Asamoah Gyan. Gyan ist unbestritten der beste Stürmer im Kader der Ghanaer und mit zwei (Elfmeter-)Toren 2010 der einzige WM-Torschütze seines Teams.

Ein Mann, der Fußballgeschichte schrieb

Ghanas Torgarant: Asamoah Gyan. Quelle: faz.net

Ghanas Torgarant: Asamoah Gyan. Quelle: faz.net

Der 24-Jährige hat für sein Heimatland bereits Fußball-Geschichte geschrieben. Bei der WM 2006 in Deutschland war es Gyan, der mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze Tschechiens Torwart Petr Cech überwand und damit das erste Tor Ghanas bei einer Weltmeisterschaft überhaupt erzielte. Den großen internationalen Durchbruch schaffte Gyan bisher nicht. 2008 ging Gyan von Udinese Calcio zu Stade Rennes, wo er 2009/2010 in 29 Liga-Spielen 13 Treffer erzielte. Möglicherweise schafft er ja nach der WM 2010 endlich den Sprung auf die Insel in die Premier League, wo schon einige Nationalmannschaftskollegen kicken.

Asamoah Gyan ist als flinker Dribbler unter den Stürmern bekannt, mit einem ordentliche Tor-Abschluss. Dagegen fehlt dem nicht gerade bullig  wirkenden Ghanaer die körperliche Robustheit. Das Duell mit der deutschen Innenverteidigung wird daher beim letzten Gruppenspiel der WM-Gruppe D (Mittwoch, 23.06.10, 20.30 Uhr, in Johannesburg) spannend zu beobachten sein. Und trotz der immer noch etwas albernen Jubeltänze: Der Ghanaer mit der für einen Stürmer ungewöhnlichen Rückennumer 3 wirkt 2010 im Vergleich zu 2006 gereift und gefestigt. Dass er seine beiden Elfmeter-Treffer im Turnier 2010 so ausnehmend cool vom Punkt verwandelte, hat sicher auch mit einer schlechten Erfahrung von vor vier Jahren zu tun: Im besagten Spiel gegen Tschechien verschoss Gyan einen Strafstoß und verpasste es damit nicht nur, den ersten Sieg Ghanas bei einer WM vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen: Den Elfmeter hatte er nämlich zu allem Überfluss in einem ersten ungestümen Versuch zu früh ausgeführt und dafür die Gelbe Karte gesehen, die dann eine Sperre nach sich zog. Danach war Gyan für Tage untröstlich, lief als bedröppelter Held durchs Team-Camp der Ghanaer in Würzburg. Die Achtelfinal-Qualifikation schafften die Teamkollegen danach auch ohne Gyan, ehe dieser beim 0:3 in der K.o.-Runde gegen Brasilien ebenso machtlos war wie seine Nebenleute. In Südafrika tritt das Team nun eine Portion erfahrener auf und fühlt nicht erst nach dem mäßigen Abschneiden anderer Länder vom „schwarzen Kontinent“ die Sympathie ganz Afrikas im Rücken. Asamoah Gyan selbst sagte nach dem 1:0-Auftaktsieg Ghanas über Serbien in Pretoria, jeder Afrikaner stehe hinter den „Black Stars“.

„Yes, We Gyan!“

Nachdem der 24-Jährige im vergangenen November vorübergehend aus dem Kader des Nationalteams geworfen worden war, weil er zusammen mit anderen ohne Angabe von Gründen ein Testspiel geschwänzt hatte, ist Asamoah Gyan als WM-Rekordtorschütze seines Landes (ingesamt 3 Tore) in der Heimat derzeit Everybody’s Darling. In Anlehnung an Barack Obamas Wahlspruch „Yes, we can“ lautet der Schlachtruf auf den Straßen von Accra nun: „Yes, We Gyan!“ Ob das auch für den Achtelfinal-Einzug gilt?

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Eine Antwort to “„Black Stars“ – ein Team ganz ohne Sternchen”

  1. Nicole 27. Juni 2010 um 11:24 #

    Hea Pistol Pete!

    Nichts gegen Deutschlang, aber die Ghanesen hääten es verdient gehabt gegen uns zu gewinnen. Alleine der Teamgeist hat mir sehr imponiert, wie der eine für den anderen gelaufen ist um einen Ball freizukämpfen…ich finde, so etwas ist verdammt viel wert. Ich weiß auch nicht, aber es scheint immer mehr so als hätten wir mehr Glück als Können, das wir doch eigentlich unter Beweis stellen sollten. Na denn, lassen wir uns mal überraschen was wir gegen die Engländer heute zeigen werden.

    Viel Spaß beim zuschauen und kommentieren. Ich werde ihr Einträge im WDR-Videotext genauestens verfolgen.

    Lieben Gruß,
    Nicole

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