Neulich beim VfL: Funkel kommt – auf welcher Seite stehst du?

21 Mai

Der VfL Bochum will am morgigen Samstag seinen neuen Trainer Friedhelm Funkel präsentieren.  Zumindest bestätigte Funkel dies gegenüber der Bild-Zeitung. Von Seiten des Vereins gab es bisher natürlich noch keine Stellungnahme. Dabei hätten es die Fans durchaus verdient eine solche Entscheidung unmittelbar auch von den Verantwortlichen präsentiert zu bekommen. Nun scheint die Trainersuche also beendet zu sein. Nach dem Experiment Heiko Herrlich wird ein alter, erfahrener  Bekannter aus der Bundesliga den VfL übernehmen, mit dem Ziel „sofortiger Wiederaufstieg“. Unter den Fans wird diese Entscheidung bereits heftig diskutiert. Für Unentschlossene, die noch nicht wissen ob sie nun dem VfL den Rücken kehren oder ob sie Funkel vertrauen, gibt es hier eine kleine Entscheidungshilfe. Denn schließlich muss man wissen auf welcher Seite man steht.

Der neue Trainer des VfL: Friedhelm Funkel - Quelle: bild.de

Pro: Funkel der erfahrene Fachmann

Ich denke es steht außer Zweifel, dass man Friedhelm Funkel als Fachmann bezeichnen kann. Er kennt die Bundesliga, in der er seit nun fast 19 Jahre trainiert, wie wenige andere. Seitdem er  Bayer Uerdingen 1990/91 übernommen hat, trainerte er Duisburg, Rostock, Köln, Frankfurt und zuletzt  Hertha BSC Berlin. Einen Coach mit dieser Erfahrung dürfte man in dieser Preisklasse in der Liga nicht finden.

Contra: Funkel sorgt für keine Aufbruchstimmung

Funkel mag ein Fachmann sein, aber eines ist er sicher nicht: Ein Liebling der Fans. Er hat keine mitreissende Art à la Kloppo an sich, mit der er die Fans überzeugen könnte. Er wirkt in der Öffentlichkeit immer kontrolliert, bedenkt seine Wortwahl genau.  Auch wenn er an der Seitenlinie alles gibt und dabei pro Spiel oftmals mehr Meter zurücklegt als Mario Basler in der Kneipe bei seinen Klogängen, so wenig kann er das Umfeld begeistern. Er macht seinen Job. Mehr nicht – das kann man positiv oder negativ sehen, die Frage bleibt allerdings ob der Verein in der jetztigen Situation nicht einen Trainer bräuchte, der auch im Umfeld eine Aufbruchstimmung entfachen kann. Und ob er die Gräben die zwischen Fans und Verein entstanden sind schließen kann, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Pro: Funkel der erfolgreiche Trainer

Bei allen seinen Stationen war er erfolgreich, wenn man bedenkt, dass ein Abstieg bei Vereinen wie Uerdingen oder Duisburg immer vorkommen kann. Dafür gelang es ihm aber auch zweimal mit den „kleineren Teams“ Duisburg und Frankfurt das Pokal- Finale in Berlin zu erreichen. Er war mit seinen Vereinen die er als Trainer betreute maximal für ein Jahr in der zweiten Liga unterwegs. Und auch bei seiner letzten Station in Belrin, wäre ihm fast das Wunder Klassenerhalt gelungen.

Contra: Funkel und die Angst vor seiner Defensivtaktik

Spätestens in Frankfurt ist Funkel am Ende daran gescheitert, dass er die Mannschaft nicht weiterentwickeln konnte und mit seiner Defensivtaktik die Fans wahnsinnig machte. Kommt einem als VfL Fan irgendwie bekannt vor: „Wer hat’s erfunden?“ Zuviele Fans wurden durch den Fussball der letzten Jahre schon vergrault. Sollte Funkel seine Defensivtaktik durchsetzen, dürfte das Stadion bald leer sein.

Pro: Funkel kann auch offensiv

Was viele vergessen, hinter dem Image des Defensivtrainers steckt auch eine andere Seite, denn Funkel kann seine Mannschaften durchaus auch offensiv spielen lassen. So schoss bei seinem letzten Aufstieg in die erste Liga, seine Mannschaft Frankfurt 65 (!) Tore und damit 10 Tore mehr als der VfL bei seinem Aufstieg ein Jahr später.

gibt hoffentlich die richtige richtung vor - Quelle: bild.de

Contra: Funkels Einstellung

In der Bild-Zeitung wird Funkel mit den folgenden Worten zitiert: „Es reizt mich sehr, zum sechsten Mal einen Klub in die Bundesliga zu führen.“ Sollte er mit dieser Einstellung an seine Arbeit gehen, dann wird das nix. Denn hier ist zum Einen mehr gefragt als „nur“ der Wiederaufstieg. Funkel wird gefordert sein, dass Umeld zu einen, eine Mannschaft aufzubauen auf die die Fans stolz sein können und die auch nachhaltig erfolgreich Fussball spielen kann. Sollte Funkel das nicht verstanden haben, ist er hier an der falschen Adresse. Zum Anderen hoffe ich inständig, dass Funkel verstanden hat, wie die Situation um den VfL aussieht und es eben nicht reicht hier einfach nur seinen Job zu machen.

Pro: Funkel fördert die Jugend

Der Wiederaufstieg ist Funkels erklärtes Ziel. Dies hatte er auch mit Eintracht Frankfurt , die er 2004 in der zweiten Liga übernahm und am Ende der Saison sein Ziel verwirklichte. Das übrigens mit einer Mannschaft, in der er durchaus den jungen Spielern eine Chance gab. Spieler wie Russ, Ochs, Köhler und Maier schafften unter ihm den Durchbruch und gehören noch heute zum Bundesliga Kader der Eintracht. Auch Jermaine Jones schaffte unter Funkel den Durchbruch. Besonders diese Tatsache sollte den VfL Fans Mut machen, denn junge Talente hat man in Bochum in der letzten Zeit ungefähr so häufig gesehen wie eine Sonnenfinsternis. Durch seine jahrelange Tätigkeit im Geschäft dürfte Funkel über einige Kontakte verfügen, die auch für den VfL wichtig sein könnten, wenn der Vorstand ihn denn diese nutzen lässt.

Nun muss sich jeder überlegen auf welcher Seite er steht.  Ich persönlich denke, dass Funkel auf jeden Fall eine faire Chance verdient hat. Zum Schluss noch ein Zitat von Funkel persönlich: „Die Situation ist bedrohlich, aber nicht bedenklich.“ In diesem Sinne…Glück auf!

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7 Antworten to “Neulich beim VfL: Funkel kommt – auf welcher Seite stehst du?”

  1. Peter Windhausen 22. Mai 2010 um 05:41 #

    Eine ausgezeichnete Analyse!
    Einzig bei „Contra: Funkels Einstellung“ sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Mann in Frankfurt, wie bei fast allen früheren Vereinen immer gegen den finanziellen Kollaps ankämpfen musste und es ihm trotztdem gelungen ist eine funktionierende Mannschaft mit einem ausbaufähigem Potential an Michael Skibbe zu übergeben.
    Allein mit dem Neuaufbau der Mannschaft ist der Mann mindestens zwei Jahre vollauf beschäftigt, danach kann man sich immer noch Gedanken machen, wie es weitergehen soll Richtung gesichertes Mittelfeld. Villeicht kommt ja der Vorstand dann in seiner präsidialen Weißheit zu dem Schluss, dem Trainer ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen, dass talentierte Spieler mit Erfolgshunger und Perspektive verpflichtet werden.
    Bis dahin könen wir, glaube ich, in Ruhe die 2.Liga über uns ergehen lassen und hoffentlich im Mai 2011 ein Fässchen Fiege köpfen!

  2. Rene 23. Mai 2010 um 16:40 #

    und auf welcher seite steht ihr beiden? habt ihr den artikel von goosen in der westen gelesen? das ist glaube ich kein neuanfang beim VFL!der trainer wurde unter alltegoers gnaden verpflichtet!nun ja -ist meine meinung-in diesem sinne- viel erfolg!!!!!

  3. gefahrenhorst 23. Mai 2010 um 18:39 #

    Ich muss sagen, dass Funkel in mir auch keine Euphorie auslöst. Trotzdem bin ich aber zufrieden damit, dass dieser erfahrene Mann beim VfL ist.
    Was sollen wir mit einem Franco Foda oder sonst wen, die sich im alltäglichen Bundesligageschäft nicht auskennen?
    Funkel hat die nötige Erfahrung für den Wiederaufstieg, und wenn das geschafft ist, dann kommt die Euphorie von ganz allein.
    Ein Heiko Herrlich sollte auch eine Euphorie auslösen, aber das ist ja bekanntlich völlig nach hinten losgegangen. Man beachte, dass dessen Entscheidung Peter Greiber (Torwarttrainer) nicht mehr im Stab haben zu wollen, wieder rückgängig gemacht wurde. Greiber ist in der nächsten Saison Torwarttrainer beim VfL.
    Auch wenn Funkel nicht eine Ausstrahlung wie Klopp oder Tuchel oder sonst wen hat, ist er ein seriöser Trainer, der weiß was Sache ist und der keine Showeinlagen al la Peter Neururer braucht.

  4. jani13 24. Mai 2010 um 09:05 #

    ich hab nur die krise bekommen, als funkel bei seiner vorstellung meinte, dass es einen großen umbruch nicht geben werde..
    ich meine wenn nicht jetzt wann dann?

  5. pistol1212pete 27. Mai 2010 um 11:46 #

    auch von mir daumen hoch für die analyse! nun gibt es übrigens auch bei DerWesten.de ein „Pro“ und „Contra“ zu Funkel zu lesen – allerdings dort wesentlich weniger ausführlich:

    http://www.derwesten.de/sport/fussball/Funkel-ist-keine-gute-Wahl-fuer-den-VfL-Bochum-id3034827.html
    http://www.derwesten.de/sport/fussball/Funkel-ist-eine-gute-Wahl-fuer-den-VfL-Bochum-id3034773.html

    • jani13 28. Mai 2010 um 20:28 #

      und pete? was sagst du? gute wahl?

      • pistol1212pete 29. Mai 2010 um 08:20 #

        ich könnte mir gut vorstellen, dass funkel kurzfristig erstmal erfolg hat und den vfl mindestens ins obere drittel der zweiten liga führt. das dürfte aber hauptsächlich daran liegen, dass er (anders als etwa herrlich) den kader endlich nach eigenen vorstellungen zusammenstellen kann. und wie man aufsteigt, das weiß funkel aus mehrfacher erfahrung ja.

        aber langfristig tut sich der vfl mit funkel kaum einen gefallen. funkel ist nunmal sehr konservativ, ohne Zukunftsvisionen und unkonventionelle, erfolgversprechende Methoden. sollte er tatsächlich den wiederaufstieg mit dem vfl schaffen, wird er sich schnell in der lage von koller wiederfinden: unbefriedigende tabellensituation und defensivfußball bis zum abwinken.

        das beispiel frankfurt ist meiner ansicht nach ein beleg dafür. er hat mit dem verein keine perspektiven entwickeln können, die über den kampf um den klassenerhalt hinausgehen. und das obwohl die eintracht unter ihm über den dfb-pokal-finaleinzug eine saison lang europäisch spielen konnte. funkel hat dort zumeist defensivfußball spielen lassen, war unpopulär und nur deshalb jahrelang trainer in frankfurt, weil das vereins-management den unbedingten willen zur kontinuität hatte.

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