Prinz Poldi – oder das Problem der zu hohen Erwartungen

20 Jan

Es war Samstag, der 23.5.2009. Letzter Bundesligaspieltag der Saison 08/09. Bochum schoss im letzten Spiel durch Klimowicz und Yahia zwei Tore und beendete die Saison mit einem 1:1 in Köln. Die Bochumer Fans freuten sich über den am Spieltag zuvor klargemachten Klassenerhalt, und die Kölner auch irgendwie, aber eben anders. Waren die Fans aus dem Ruhrpott nach einer nervenaufreibenden Serie froh, dass  vor ihnen ein paar Wochen der Ruhe lagen, in denen man sich nicht mit dem aktuellen Tabellenplatz der Mannschaft beschäftigen musste und Zeit hatte sich anderen Dingen des Lebens  zu widmen, z.B. mal wieder mit der elektronischen Eisenbahn  spielen oder endlich mal die Zeit zu haben den Kindern mit Hilfe ein paar leerer Bierflaschen vernünftig das Abseits zu erklären, so war im Rheinland doch eine gewisse Vorfreude auf die kommende Spielzeit zu vernehmen.

So konnte ich auf dem Weg in Richtung Heimat in der Straßenbahn des KVB folgenden Dialog zweier Kölner Fan Kollegen vernehmen:

„Man das war echt eine Saison. Schrecklich. Die meiste Zeit haben die doch Grottenfussball gespielt. Allein der Vucicevic regt mich schon auf mit seiner Dribbelei da. Noch so eine Saison mach ich nicht mit“, sagt der Eine voller Überzeugung. „Ach keine Sorge“, beruhigte ihn sein Bekannter. “ Wir haben doch den Poldi gekauft. Würde sagen da ist ein Europacup-Platz auf jeden Fall machbar.“

Da war die Kölner Welt noch in Ordnung – Quelle: bild.de

Ja es war die Zeit als sich alle Kölner auf die Rückkehr des Prinzen freuten. Der verlorene Sohn sollte nach seiner Zeit auf der Bayern Bank endlich wieder nach Hause zurückkehren. In und um Köln brach die völlige Ekstase aus. Podolski-Trikots wurden aus den Schränken gekramt, Schals neu gekauft und Poldis Gesicht tausend mal auf T-Shirts gedruckt.

Und so sieht es jetzt aus…

Jetzt ist es Januar 2010.  Die Kölner stehen auf Platz 14 der Tabelle (sogar hinter dem VfL) und sind von einem Europacup-Platz so weit entfernt, wie der deutsche Staat von einem ausgeglichenen Haushalt. Poldi hat bisher erst ein Tor erzielen können (die gesamte Mannschaft erst 12) und das Abstiegsgespenst hat es sich auf der Tribüne bereits gemütlich gemacht.

Quelle: kicker.de

Und es passiert das Undenkbare: Die Fans stellen sich gegen ihren Superstar, den sie im Sommer noch so verehrt haben. Pfiffe bei seiner Auswechslung am letzten Sonntag gegen Dortmund und so heftige Beschimpfungen auf der Internet- Seite des F.C. (anscheinend verfasst von Leuten die lieber zu Hause mit ihren Digimon Karten spielen sollten, anstatt ein Stadion zu betreten), dass der Verein sich gezwungen sah den Spieler zu schützen und die Einträge zu löschen.

Dabei vergessen die Fans, die jetzt gegen Podolski wettern, dass er nie der große Zauberer war, der die Spiele alleine durch ein unwiederstehliches Dribbling entschieden hat. Viel mehr lebt er von seiner genialen Schusstechnik, aber um die einsetzen zu können, braucht er Bälle aus dem Mittelfeld, jemand der ihm die Bälle auflegt. Daran hätten die F.C.-Bosse im Sommer vielleicht auch mal denken sollen, denn dann müssten sie nun nicht einen Spieler in Schutz nehmen, den sie durch ihre viel zu hohen Erwartungen selbst in die Schusslinie gestellt haben.

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