
Schießt er die Niederlande zum ersten WM-Triumph: Arjen Robben. Quelle: fifa.com
Vorab eine Warnung: Die folgenden Zeilen stammen von einem notorischen Außenseiter-Tipper. Von jemandem, der sich kaum erinnern kann, wann zuletzt eine seiner sehr lässigen (weil unwahrscheinlichen) Prophezeiungen kommender Ereignisse im Weltfußball tatsächlich eingetreten ist. Diese notorische Erfolglosigkeit hat sogar so weit geführt, dass der Autor vor sich selbst kapitulieren und Einladungen zu WM-Tippspielen dankend ablehnen musste. Denn eine Teilnahme hätte ganz offensichtlich dasselbe bewirkt, wie ein Feuerzeug an einen Zehn-Euro-Schein zu halten – und dabei weniger Spaß gemacht.
Daher kann ein Außenstehender auch mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Niederlande auch 2010 wieder keinen Weltmeister-Titel holen. Dabei spricht diesmal aber wirklich im Vergleich zu anderen Teams Vieles für das Clockwork Orange. Oranje ist erfahrener als die deutsche Elf und in der Offensive flexibler als die Spanier. Die “Elftal” hat eine bessere Abwehr als die Argentinier und wirkt am Ende sogar inspirierter als die Brasilianer. Dass selbst der herbeigeredete team-interne Zoff halb so wild ist, belegt Dirk Kuijt: Von anderen Teamkollegen offenbar angestänkert, bringt der Liverpool-Profi weiter seelenruhig seine Leistung.
Während jeder andere Trainer wegen Verletzungen Sorgenfalten bekommt, so könnte die Blessur, die sich Arjen Robben kurz vor Turnierbeginn zugezogen hat, zur Trumpf-Karte von Coach Bert van Marwijk werden: Denn Hollands Problem war häufig – man denke etwa an die EM 2008 – eine zu frühe Topform. Beim Europa-Gipfel in den Alpen galt das Team von der Nordseeküste als sicherer Sieger – schließlich hatte man Frankreich und Italien in der Gruppenphase beeindruckend weggefegt. Gleich im ersten K.o.-Spiel ging den Holländern dann aber die Luft aus. Und gerade dieses Burnout-Syndrom verhindert die langsame Comeback des Arjen Robben. Denn Robben kam mit Verspätung ins Turnier hinein. Der erste Kurzeinsatz im dritten Gruppenspiel und direkt eine Torbeteiligung. Der erste Startelf-Auftritt bei dieser WM im Achtelfinale, gekrönt von einem unnachahmlichen Robben-Tor. Der Bayern-Star hat sich nahtlos in die Elftal eingefügt, gibt ihr mehr Optionen im Angriffsspiel. Im Achtelfinale hat man aber auch noch deutlich Steigerungspotenzial beim Einzelspieler und der Truppe als Ganzes gesehen. Und dadurch, dass Robben seinen Rechner in Ruhe wieder auf Top-Leistung hochfährt, verhindert er einen zu frühen System-Absturz des Kollektivs. Die Oranje-Elf wird durch seine Rückkehr immer gefährlicher und weniger berechenbar. Im Idealfall erreichen Robben & Co. im Finale ihre Topform…
Finale? Naja, jetzt wohl nicht mehr. Da ich mich auf die Niederlande als Titelfavoriten festgelegt habe, machen die Brasilianer vermutlich in gut 16 Stunden kurzen Prozess und beenden den Traum von der Revolution der in orange. Sorry, ihr Holländer. Ich hätt’s euch wirklich gegönnt.









