Der VfL Bochum will am morgigen Samstag seinen neuen Trainer Friedhelm Funkel präsentieren. Zumindest bestätigte Funkel dies gegenüber der Bild-Zeitung. Von Seiten des Vereins gab es bisher natürlich noch keine Stellungnahme. Dabei hätten es die Fans durchaus verdient eine solche Entscheidung unmittelbar auch von den Verantwortlichen präsentiert zu bekommen. Nun scheint die Trainersuche also beendet zu sein. Nach dem Experiment Heiko Herrlich wird ein alter, erfahrener Bekannter aus der Bundesliga den VfL übernehmen, mit dem Ziel “sofortiger Wiederaufstieg”. Unter den Fans wird diese Entscheidung bereits heftig diskutiert. Für Unentschlossene, die noch nicht wissen ob sie nun dem VfL den Rücken kehren oder ob sie Funkel vertrauen, gibt es hier eine kleine Entscheidungshilfe. Denn schließlich muss man wissen auf welcher Seite man steht.

Der neue Trainer des VfL: Friedhelm Funkel - Quelle: bild.de
Pro: Funkel der erfahrene Fachmann
Ich denke es steht außer Zweifel, dass man Friedhelm Funkel als Fachmann bezeichnen kann. Er kennt die Bundesliga, in der er seit nun fast 19 Jahre trainiert, wie wenige andere. Seitdem er Bayer Uerdingen 1990/91 übernommen hat, trainerte er Duisburg, Rostock, Köln, Frankfurt und zuletzt Hertha BSC Berlin. Einen Coach mit dieser Erfahrung dürfte man in dieser Preisklasse in der Liga nicht finden.
Contra: Funkel sorgt für keine Aufbruchstimmung
Funkel mag ein Fachmann sein, aber eines ist er sicher nicht: Ein Liebling der Fans. Er hat keine mitreissende Art à la Kloppo an sich, mit der er die Fans überzeugen könnte. Er wirkt in der Öffentlichkeit immer kontrolliert, bedenkt seine Wortwahl genau. Auch wenn er an der Seitenlinie alles gibt und dabei pro Spiel oftmals mehr Meter zurücklegt als Mario Basler in der Kneipe bei seinen Klogängen, so wenig kann er das Umfeld begeistern. Er macht seinen Job. Mehr nicht – das kann man positiv oder negativ sehen, die Frage bleibt allerdings ob der Verein in der jetztigen Situation nicht einen Trainer bräuchte, der auch im Umfeld eine Aufbruchstimmung entfachen kann. Und ob er die Gräben die zwischen Fans und Verein entstanden sind schließen kann, darf ebenfalls bezweifelt werden.
Pro: Funkel der erfolgreiche Trainer
Bei allen seinen Stationen war er erfolgreich, wenn man bedenkt, dass ein Abstieg bei Vereinen wie Uerdingen oder Duisburg immer vorkommen kann. Dafür gelang es ihm aber auch zweimal mit den “kleineren Teams” Duisburg und Frankfurt das Pokal- Finale in Berlin zu erreichen. Er war mit seinen Vereinen die er als Trainer betreute maximal für ein Jahr in der zweiten Liga unterwegs. Und auch bei seiner letzten Station in Belrin, wäre ihm fast das Wunder Klassenerhalt gelungen.
Contra: Funkel und die Angst vor seiner Defensivtaktik
Spätestens in Frankfurt ist Funkel am Ende daran gescheitert, dass er die Mannschaft nicht weiterentwickeln konnte und mit seiner Defensivtaktik die Fans wahnsinnig machte. Kommt einem als VfL Fan irgendwie bekannt vor: “Wer hat’s erfunden?” Zuviele Fans wurden durch den Fussball der letzten Jahre schon vergrault. Sollte Funkel seine Defensivtaktik durchsetzen, dürfte das Stadion bald leer sein.
Pro: Funkel kann auch offensiv
Was viele vergessen, hinter dem Image des Defensivtrainers steckt auch eine andere Seite, denn Funkel kann seine Mannschaften durchaus auch offensiv spielen lassen. So schoss bei seinem letzten Aufstieg in die erste Liga, seine Mannschaft Frankfurt 65 (!) Tore und damit 10 Tore mehr als der VfL bei seinem Aufstieg ein Jahr später.

gibt hoffentlich die richtige richtung vor - Quelle: bild.de
Contra: Funkels Einstellung
In der Bild-Zeitung wird Funkel mit den folgenden Worten zitiert: “Es reizt mich sehr, zum sechsten Mal einen Klub in die Bundesliga zu führen.” Sollte er mit dieser Einstellung an seine Arbeit gehen, dann wird das nix. Denn hier ist zum Einen mehr gefragt als “nur” der Wiederaufstieg. Funkel wird gefordert sein, dass Umeld zu einen, eine Mannschaft aufzubauen auf die die Fans stolz sein können und die auch nachhaltig erfolgreich Fussball spielen kann. Sollte Funkel das nicht verstanden haben, ist er hier an der falschen Adresse. Zum Anderen hoffe ich inständig, dass Funkel verstanden hat, wie die Situation um den VfL aussieht und es eben nicht reicht hier einfach nur seinen Job zu machen.
Pro: Funkel fördert die Jugend
Der Wiederaufstieg ist Funkels erklärtes Ziel. Dies hatte er auch mit Eintracht Frankfurt , die er 2004 in der zweiten Liga übernahm und am Ende der Saison sein Ziel verwirklichte. Das übrigens mit einer Mannschaft, in der er durchaus den jungen Spielern eine Chance gab. Spieler wie Russ, Ochs, Köhler und Maier schafften unter ihm den Durchbruch und gehören noch heute zum Bundesliga Kader der Eintracht. Auch Jermaine Jones schaffte unter Funkel den Durchbruch. Besonders diese Tatsache sollte den VfL Fans Mut machen, denn junge Talente hat man in Bochum in der letzten Zeit ungefähr so häufig gesehen wie eine Sonnenfinsternis. Durch seine jahrelange Tätigkeit im Geschäft dürfte Funkel über einige Kontakte verfügen, die auch für den VfL wichtig sein könnten, wenn der Vorstand ihn denn diese nutzen lässt.
Nun muss sich jeder überlegen auf welcher Seite er steht. Ich persönlich denke, dass Funkel auf jeden Fall eine faire Chance verdient hat. Zum Schluss noch ein Zitat von Funkel persönlich: “Die Situation ist bedrohlich, aber nicht bedenklich.” In diesem Sinne…Glück auf!