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Öffentliche Exekution

8 Mar
Welch eine Demütigung - demoralisierte Leverkusener (Quelle: kicker.de)

Welch eine Demütigung - demoralisierte Leverkusener (Quelle: kicker.de)

Was war das gestern für ein Abend im Camp Nou! Da waren 4000 Leverkusener Anhänger guten Mutes nach Barcelona gefahren, um wenigstens nur den Hauch einer Sensation miterleben zu können, doch am Ende fiel der Prügel der Katalanen noch heftiger aus, als es sich so manch einer erträumt hätte.

Nach 90 Minuten steht es 1:7 aus Leverkusener Sicht. Und Messi? Der trifft mal wieder – nicht einmal, nicht zweimal, nein, er trifft fünfmal in Lenos Kasten. Unfassbar wie der Ball an den Füßen des kleinen Argentiniers klebt. Die beiden Lupfer ins Leverkusener Verderben kommen mit einer Leichtigkeit, das man glaubt, Fußball wäre das einfachste der Welt. Und dabei scheint Messi noch nicht einmal zu schwitzen. Wie frisch geföhnt wirkt der Superstar bei den Großaufnahmen. Wie macht er das nur?

Gut, gegen Barcelona kann man sicherlich verlieren, aber was Leverkusen da gestern passierte, kam einer öffentlichen Exekution nahe. Kein Mut, kein Elan – eroberte Bälle wurden wieder hergegeben wie nach einer Kapitulation. Und statt alle Karten auf hohe Bälle zu setzten, denen die winzigen Katalanen wenig entgegenzusetzen gehabt hätten, ließ sich die Werkself vom betäubenden Kurzpassspiel Barcelonas einschläfern. Aber wie hätten die armen Leverkusener denn auch eine Flanke schlagen können? Sie kamen ja noch nicht einmal an den Ball heran. Teilweise bis zu 70% Ballbesitz für den FC Barcelona errechneten die Statistiker – das muss ziemlich frustrierend sein.

Um so erstaunlicher, dass die Rheinländer wenigstens zum Ehrentreffer kamen, und das in bester Barcelona-Manier: Doppelpass und ab ins Netz – da staunte Pep Guardiola nicht schlecht, als er Bellarabis Schuss in die eigenen Maschen flattern sah, während Leverkusens Robin Dutt ihm sanfte Worte ins Ohr hauchte. Was er seinem Trainerkollegen da wohl gesagt haben wird? Egal, jedenfalls hätte mit diesem Tor niemand gerechnet, selbst Karim Bellarabi nicht. Wer ist eigentlich Bellarabi? Auch das ist egal – und Pep Guardiola wird es am Ende wohl auch nicht interessiert haben.

Die heiße Phase beginnt

6 Mar

So langsam geht es in Liga Zwei ans Eingemachte. Gleich fünf Teams mischen um den Aufstieg mit. Den Tabellenersten Greuther Fürth trennen nur drei Punkte vom fünftplatzierten FC St. Pauli.

Was denkt ihr, wer macht am Ende das Rennen um den Aufstieg, wer landet unter den ersten drei Mannschaften? Stimmt ab!

Alles richtig gemacht

6 Mar
Quelle: vfl-bochum.de

Quelle: vfl-bochum.de

Warum der Autor dieses Textes seine Prinzipien brach und dennoch alles richtig machte

Wer mag eigentlich Schönwetter-Fans? Jeder verspottet sie und doch gibt es viele von ihnen. Dennoch wage ich es zu behaupten, dass ich nicht zu dieser Spezies gehöre. Wenn es die Zeit zulässt, pilgere auch ich an die Castroper Straße – bei Wind und Wetter, bei Bayern oder Braunschweig. Und auch die Tabellenlage unserer heiß geliebten grauen Maus, tief aus dem Westen, schreckt mich selten vor einem Besuch der Ostkurve zurück.

Es ist Freitag, 20 Uhr. In einer halben Stunde geht es los: Flutlichtspiel gegen Dynamo Dresden. Gut 15.000 Zuschauer werden an diesem milden Abend ins Rewirpowerstadion strömen – die günstige Anstoßzeit in dieser Länderspielwoche lässt es zu. Auch ich mache mich auf den Weg. Schon aus drei Kilometer Entfernung hört man bereits die Bochumer Ostkurve skandieren – und auch die Dresdner Schlachtenbummler hallen durch die Innenstadt. Ein Blick nach Osten lässt die grellen Flutlichter erahnen.

Ich schaue auf die Uhr. 20:10 Uhr – mein Schritt wird schneller. In fünfzehn Minuten würde ich bei diesem Tempo da sein. Ich checke noch einmal mein Portmonee und tappe nach einem 10€-Schein – das passt. Um kurz vor halb neun habe ich mein Ziel endlich erreicht. Ich schelle, die Tür geht auf, Freunde begrüßen mich. Zwei Stunden später erfahre ich von der 0:2-Niederlage des VfL gegen die Freunde aus dem Osten – auch der altbekannt Zlatko Dedic hat getroffen. Welch eine Schmach, denke ich und öffne meine zweite Flasche Fiege, während ich bereits an das nächste Heimspiel denke. Dieses Mal habe ich alles richtig gemacht.

Kommentar: Verpasster Aufstieg ist neue Chance

27 Mai
Die Startelf des VfL Bochum vor dem Relegationsrückspiel (Foto: vfl-bochum.de)

Die Startelf des VfL Bochum vor dem Relegationsrückspiel (Foto: vfl-bochum.de)

Für den VfL Bochum ist es aus und vorbei. In der vergangenen Woche wurde Fußballdeutschland Zeuge, dass der Fußballgott in dieser Saison nicht immer zum Ruhrgebiet gehalten hat. Dortmund und der FC Schalke – mehr ging dann doch nicht mehr. Zwei Spiele reichten aus, um den VfL Bochum um den Lohn einer ganzen Saison – oder sagen wir lieber einer ganzen Rückrunde – zu bringen.

Dass die Stimmung in der Ostkurve nach dem Abpfiff von Peter Gagelmann so berauschend war, wie nach so manch einem furiosen Sieg, hat man in Bochum so nur selten erlebt. Und überhaupt: Das Stadion glich im Relegationsrückspiel gegen Gladbach einer schier uneinnehmbaren Festung. Wie Donnerchöre erschienen die Gesänge der Bochumer Anhängerschaft, die wie eine Mauer hinter dem Team stand.

Gänsehautstimmung beim 1:0 durch Christoph Dabrowski (Foto: vfl-bochum.de)

Gänsehautstimmung beim 1:0 durch Christoph Dabrowski (Foto: vfl-bochum.de)

Doch Stimmung hin oder her, am Ende bleibt für den VfL Bochum wieder mal die zweite Liga, die im übrigen in der nächsten Saison mit Namen wie Eintracht Frankfurt, St. Pauli, Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig wieder eine Fülle an neuen Traditionsvereinen aufweist. Gut, etwa 10 Millionen Euro an Mehreinamen gehen dem VfL durch den Verbleib in Liga Zwei durch die Lappen, aber wie der Vorstand unter der Woche verlauten ließ, gebe es keinen Grund zur Sorge, schließlich stehe man finanziell solide da.

Viel mehr sollte man in Bochum lieber froh sein, den Aufstieg nicht geschafft zu haben, so skurril es klingt. Eine Saison in der höchsten deutschen Spielklasse hätte einen enormen Kraftakt für den bescheidenen Ruhrpott-Verein bedeutet – nicht finanziell, sondern sportlich. Und am Ende hätte dann wohl erneut ein bitterer Abstieg gestanden.

Umso mehr kann man nun mit einem Trainer, der die Mannschaft seit einem Jahr kennt, und einem eingespielten Team den erneuten Versuch des Wiederaufstiegs anvisieren. Spieler wie Kopplin, Ostrzolek , Vogt oder Aydin machen Mut für eine Zukunft mit jungen und talentierten Spielern, die größtenteils sogar aus dem eigenen Lager stammen. Und auch in der zweiten Reihe warten Talente, wie die fast schon wieder vergessenen Rohdiamanten Rzatkowski und Kefkir.

Der verpasste Aufstieg weist sich somit als eine neue Chance für den VfL aus: er muss sie nur noch nutzen.

Raúl kommt in den Pott!

28 Jul
Soll Schalke zu Titeln schießen - Raúl (Bild:kicker.de)

Soll Schalke zu Titeln schießen - Raúl (Bild:kicker.de)

Die Bundesliga hat ihren nächsten Superstar. Was zunächst nur als schlechter Scherz abgestempelt wurde, ist nun wahr geworden. Raúl, die Legende von Real Madrid wechselt tatsächlich nach Schalke, ins schöne Ruhrgebiet. Sechs Millionen Euro pro Jahr soll der Torjäger kassieren.

Und da wären wir schon beim Kern der Geschichte. Was bewegt einen solchen Superstar wie Raúl dazu, ausgerechnet in den Kohlenpott zu wechseln, wo er doch seine Karriere in Madrid, mit einem sicherlich fürstlichen Gehalt, hätte ausklingen lassen können? Nun, sechs Millionen Euro im Jahr mögen sicherlich eine schöne Entschädigung für den späten Wechsel des madrilenischen Urgesteins sein, aber ausgerechnet Schalke?

Zwei Jahre will Raúl für S04 die Schuhe schnüren, danach soll es wieder zurück nach Madrid gehen, wo er einen Posten in der Führungsetage der “Galacticos” erhalten soll. Raúl scheint es also nicht unbedingt ums Geld zu gehen. Schalke 04 ist deutscher Vizemeister und zudem für die Champions League qualifiziert. Hier will Raúl noch einmal unter Beweis stellen, dass er es noch kann, nämlich Tore schießen. In Madrid gelangen ihm 228 Tore in 550 Ligaspielen – eine Wahnsinnsquote.

Dass Raúl González Blanco, wie er vollständig heißt, mit seinen 33 Jahren zu alt für Schalke ist, kann man den Verantwortlichen des FC Schalke nicht vorwerfen, denn ganz ohne Erfahrung lässt sich keine Meisterschaft gewinnen. ”Seine Qualitäten werden uns weiterhelfen. Seine Verpflichtung stellt einen entscheidenden Schritt in unseren Bemühungen dar, den Kader für zukünftige Aufgaben zu verstärken und umzustrukturieren.”, sagte Trainer Felix Magath und vergaß dabei, dass Raúl nur für zwei Jahre bleibt. Von einer “Umstrukturierung” kann also nicht wirklich die Rede sein. Zusammen mit Ersatztorwart Mathias Schober (34) ist Raùl also mit Abstand der älteste Spieler im Kader.

Nun darf man gespannt sein, wie sich der dreimalige spanische Torschützenkönig in Deutschland einfinden wird. Immerhin hat Raúl noch nie im Ausland gespielt, geschweige denn Madrid verlassen, um seine Brötchen zu verdienen. An gewohntem Luxus wird es Raúl wohl nicht fehlen, da er sich im Düsseldorfer Nobelstadtteil Oberkassel nach einem geeigneten Quartier umsehen wird.

Und wie sieht es mit dem Verständnis innerhalb der Mannschaft? Als wichtigstes Bindeglied soll Christoph Metzelder fungieren, der Spanisch spricht und zusammen mit Raúl noch in der vergangenen Saison bei Real spielte. Erst durch “Metze” wurde der Kontakt zwischen Schalke und Raúl hergestellt, der für die Königsblauen in Zukunft mit seiner geliebten Nummer 7 auflaufen wird, so wie er es auch schon in Madrid tat.

Schon morgen wird Raúl den Weg von Düsseldorf nach Gelsenkirchen über A3 und A2 auf sich nehmen, um sich am Ende auf dem Schalker Trainingsgelände von Magaths Pfeiffe quälen zu lassen. Ob man Raúl vor seiner Vertragsunterschrift auf Schalke wohl gesagt hat, was es mit dem Wort “Quälix” auf sich hat? Offenbar nicht.

Sebastiàn Abreu – Der Verrückte

9 Jul
In Uruguay nennt man ihn einfach nur "El Loco" - der Verrückte. (Bild: telegraph.uk)

In Uruguay nennt man ihn einfach nur "El Loco" - der Verrückte. (Bild: telegraph.uk)

Was muss das für ein Kerl sein, der mit seinen fast 34 Jahren schon in sieben verschiedenen Ländern exakt zwanzig Mal den Verein wechselte. Es kann sich nur um einen Verrückten handeln, oder um Sebastián Abreu, in seiner Heimat Uruguay einfach nur “El Loco” (der Verrückte) genannt.

Wir schreiben den 2. Juli 2010. Nach 90 Minuten Kampf, steht es im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 1:1 zwischen Uruguay und Ghana - es geht in die Verlängerung. Seit vierzehn Minuten befindet sich eben dieser Sebastián Abreu im Spiel. Uruguays Trainer Òscar Tabárez will mit der Einwechslung des momentan für Botafogo (Brasilien) spielenden Stürmers, Leben in den Angriff seines Teams bringen.

Es kommt aber wie es kommen muss. Auch nach 120 Minuten steht es noch 1:1. Der Rest ist schnell erzählt: Abreu tritt als letzter Schütze seines Teams an, er kann mit seinem Schuss den Weg ins Halbfinale klar machen und für die Sensation sorgen. Alles schaut auf “El Loco”. Der Schiedsrichter pfeift und Abreu wird seinem Namen gerecht, in dem er das Leder in die Mitte des Tores lupft, als hätte er jahrelang nichts anderes getan – welch eine verrückte Aktion!

Wer so abgeklärt ist, der muss in seinem Leben schon viel erlebt haben, so wie der 1,93m große Abreu. Sein Leben als Profi erzählt sich wie eine kleine Odyssee durch drei Kontinente. Seine Profikarriere begann Sebastian Abreu noch in Uruguay (Defensor Sporting Club), bevor er nach nur einem Jahr ins Nachbarland Argentinien zu CA San Lorenzo ging. Nach zwei Spielzeiten war auch dort Schluss, denn Abreu wurde vom spanischen Spitzenclub Deportivo La Coruna gelockt.

Nach nur 15 Einsätzen und drei Toren für “Depor” ging es auf die große Reise. Gleich sechsmal liehen die Spanier ihren uruguayischen Stürmer aus und für Abreu folgten in fünf Jahren sechs weitere Stationen, unter anderem in Brasilien, erneut Uruguay und Mexiko. In letzterem Land hielt sich Abreu erstaunlich lange sieben Jahre auf, allerdings wiederum bei sechs verschiedenen Vereinen.

Im Jahr 2008 verließ Abreu noch ein letztes Mal Mexiko, um in Argentinien bei River Plate anzuheuern. Nach einem kurzen Intermezzo in Israel (Breitar Jerusalem), zog es “El Loco” noch im selben Jahr zurück zu River Plate – drei Stationen in einem Jahr! Aber auch in Argentinien fand Abreu nicht sein Glück. Noch einmal ging es zurück nach Europa – erst als Leihgabe zum spanischen Club Real Sociedad, dann nach Griechenland zu Aris Thessaloniki, das ganze im Jahre 2009. Seine aktuelle Station befindet sich in Brasilien, genauer gesagt bei Botafogo FR. 

Ein Blick auf die Transferhistorie Abreus scheint somit den abgeklärten Elfer im Viertelfinale gegen Ghana in ein anderes Licht zu rücken. Diesen Mann haut nichts mehr um. Trotz seines zweifelsohne turbulenten Vereinsleben, scheint Abreu privat ein ausgeglichener Mensch zu sein. Mit seiner Frau Paola hat er vier Kinder – drei Buben, ein Mädel - die er auf aufgedruckten Fotos bei jedem Spiel auf seinem Unterhemd trägt.

Wenn es morgen Abend zum Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Uruguay im Spiel um Platz drei geht, dann wird Sebastiàn Abreu wohl zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. Forlan und Suarez heißen zur Zeit die gesetzten Spieler im Team der “Urus”, doch wenn es darauf ankommt, wird der tätowierte Mann mit den langen Haaren und dem Bart eingewechselt werden, um noch ein letztes Mal mit einer verrückten Aktion sein Team nach vorne zu schießen.

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