Archiv | September, 2011

Autorenkommentar: Meine Hochachtung, Herr Rangnick !

22 Sep

Schalkes Trainer Ralf Rangnick ist gestern Mittag zurückgetreten. Nicht weil es schlecht lief, nicht wegen Problemen mit der Mannschaft, den Fans oder der Vereinsführung, nein wegen Erschöpfung.

Er ist nun der dritte größere Fall in den letzten 2 Jahren  in der Bundesliga und es gehört mehr als viel Mut dazu, dies sich selbst einzugestehen, gerade wenn man in einem Job mit einem solch großen Erfolgsdruck arbeitet.

Und trotzdem ist Burnout eines Bundesligatrainers ein Novum. Und doch erscheint es völlig logisch, wenn man sich das Arbeitspensum anschaut.

Für einen Bundesligatrainer beginnt der Tag bereits vor der morgendlichen Trainingseinheit. Das komplette Training will geplant sein, Spielergespräche werden vorbereitet, Interviews und Marketingtermine durchgesprochen usw.! Ein moderner Fußballtrainer schirmt seine Mannschaft ab, fängt die Medien, die Fans und die Vereineführung ab und erledigt nebenher noch die normalen Traineraufgaben. Für ihn endet die Saison nicht, wenn die Spieler Mitte Juli in den Urlaub gehen und beginnt, bevor diese Anfang August wieder in den Spielbetrieb zurückkehren. Ständig steht er im Fokus und das rund um die Uhr.

Und wenn man weiß, dass Ralf Rangnick ein sehr akribisch und engagiert arbeitender Trainer ist, erkennt schnell, dass der Arbeitsaufwand vergleichbar mit einem Topmanager aus der Wirtschaft ist. Denn genau das sind viele Bundesligatrainer mittlerweile.

Gerade dabei ist es verständlich, wenn mal der ein oder andere die Batterien neu aufladen muss. Und doch ist es weiterhin ein Tabuthema. Es wird zwar von allen wieder begrüßt, wenn Trainer oder Spieler zugeben, dass sie an Erschöpfung leiden, aber es wird immer noch als Schwäche in einem Sport mit teilweise archaischen Männerbild ausgelegt. Ein Verein wird sich in Zukunft gut überlegen, ob er Ralf Rangnick engagiert. Das Risiko, dass er plötzlich den Verein in einer wichtigen Phase verlässt, wie in Hoffenheim und nun auf Schalke, ist hoch. Und genau das erhöht wieder die Hemmschwelle für andere Trainer und Spieler. Und wer kann sich heute noch an Sebastian Deisler erinnern. Der ist nach seinem ersten Ausstieg nie wieder richtig zurückgekommen.

Doch gerade hier zahlt sich Ehrlichkeit aus. Für die Gesundheit des Menschen und für den Erfolg des Vereins. Denn wie Rangnick selbst sagt, “reicht sein Energielevel nicht aus, um erfolgreich zu sein”. Wenn der Fußballsport in Deutschland wirklich erkennt, dass jeder Mensch, der so unter Erfolgsdruck steht irgendwann mal eine Pause braucht, werden sich sicherlich mehr dazu bekennen. Und dann werden auch die Forderungen nach einer kürzeren Sommerpause, einer größeren Liga mit 20 Mannschaften und einer Aufhebung der Winterpause verstummen.

Statistiken beweisen, dass etwa 20 -30 % der Berufstätigen mindestens einmal im Leben ein Burnout haben. Im Bundesligafußball sind es in den letzten zehn Jahren unter 1 %, bei überdurchschnittlichem Druck.

Deshalb ist es einfach wichtig, dass eine wirkliche Akzeptanz erreicht wird. Seit Enke sind es nun 2 Bundesligabeteiligt, die sich geoutet haben, ein Spieler und ein Trainer. Wer der Meinung ist, dass sich schon etwas wesentlich verändert hat, der schaut nicht genau hin!

Und genau deshalb ist der Schritt von Ralf Rangnick richtig und äußerst respektabel.

Trainerstimmen:

http://mediencenter.sport1.de/de/video/#/0_jpnwus4u

Autorenkommentar: “Vfl Bochum entlässt Funkel”

14 Sep

Quelle: Tagesspiegel.de

Man möchte rufen: “Endlich haben sie es kapiert!!”

Friedhelm Funkel ist am Mittwoch als Trainer des VfL Bochums entlassen worden. Nach vier sieglosen Spielen in Folge und lediglich vier mageren Punkten aus den ersten sieben Spielen, blieb dem Aufsichtsrat um Sportvorstand Jens Todt keine andere Wahl mehr, als die Reißleine zu ziehen.

Dieses Mal glaubten auch die eingefleischten Anhänger des mürrisch wirkenden Aufstiegsexperten Funkel nicht mehr an eine Wendung, wie sie in der letzten Saison nach dem 1:4 gegen Ingolstadt eingetreten ist. Funkel hatte es nie geschafft, wirklich mehr als eine Mannschaft zu formen, die hinten drin steht und vorne dann teilweise durch Glück das 1:0 macht und damit auch nur wenige Sympathien bei den Fans gewonnen.

Dabei hat der Verein schon im letzen Jahr damit begonnen, den richtigen Weg einzuschlagen. Die Führungsriege des Vereins wurde neu besetzt, junge Spieler wie Matthias Ostrzolek, Kevin Vogt und Mirkan Aydin in die Mannschaft integriert.

Als jedoch zum Ende der letzten Saison die Mängel in der Defensive und im Spielaufbau wieder deutlich auftraten, hätte der Verein bereits reagieren müssen. Statt die offensichtlichen Probleme anzugehen, wurden Spieler wie Lukas Sinkiewicz, der schon beim FC Augsburg kaum gespielt hat oder Christoph Kramer, der bei Bayer Leverkusen II zwar regelmäßig zum Einsatz kam, jedoch wohl kaum mehr als eine Ergänzung ist, verpflichtet. Zusätzlich hat man es versäumt teure Spieler wie Giovanni Frederico oder Faton Toski abzugeben, die der Mannschaft eher selten halfen. Und Funkel vermochte es nicht aus den vorhandenen Spielern mehr herauszuholen.

Das Frank Goosen als Aufsichtsratsmitglied die Lage im Verein in einem offenen Brief an die Fans als “katastrophal”  beschreibt, hilft nicht wirklich Mut zu machen.

Es bleibt nun zu hoffen, dass ein neuer Trainer, der schon am Sonntag gegen Paderborn auf der Bank sitzen soll, den Verein vor dem freien Fall bewahren kann. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass ein Trainer verpflichtet wird, der auch im Umfeld des Vereins für eine Aufbruchsstimmung sorgen kann. Man darf gespannt sein, wer dies sein wird.

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